01. Okt 2020

Apps werden immer beliebter – und wirksamer

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie boomen Apps. Immer mehr Menschen laden sich die kleinen benutzerfreundlichen kleinen Programme auf ihre Smartphones und Tablets. Wir zeigen Ihnen, welche Chanchen für Möbelunternehmen in diesem Trend stecken.

Mit der Pandemie begann Anfang 2020 eine Zeit der vorsorglichen Abgrenzung, der analogen Abgeschiedenheit, die zu einer rapide wachsenden Digitalisierung in Unternehmen, Bildungseinrichtungen und Privathaushalten führte.  

Smartphones und Tablets wurden spätestens jetzt zu wichtigen Alltagsbegleitern und ihre Besitzer/innen probierten immer mehr Funktionen aus, durchstöberten App-Angebote auf der Suche nach Applikationen für Spaß, Spiel, Konsum, Alltagsorganisation und Arbeit. Sie luden sich mehr Apps auf ihre Handys als jemals zuvor.

So generierte der App Store von Apple im ersten Halbjahr 2020 einen Umsatz von 32,8 Milliarden Dollar, was einem Wachstum von 24,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Der Google Play Store verzeichnete mit einem Umsatz von 17,3 Milliarden Dollar ein Jahreswachstum von 21 Prozent. 

Auch Agenturen, die Apps entwickeln, verzeichnen einen Boom: „Wir hatten vor Corona fünf bis sechs Anfragen pro Woche, jetzt haben wir die pro Tag“, erzählt Michael Haack, Head of Sales bei der Digitalagentur P&M. Die Hamburger Agentur ist überzeugt, dass die Nachfrage, die schon vor Corona anstieg, mit dem Ausbruch der Pandemie noch lange nicht ihren Höhepunkt erreicht hat.  

Davon sind auch Marketing-Experten und Expertinnen überzeugt: „Die Nutzung von Mobiltelefonen ist mit plus 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen, die durchschnittliche Online-Zeit der User macht 27 Prozent ihres Tages aus“, schreiben die Redakteure von horizont.net.

Sie zitieren Marktforscher, die überzeugt sind, dass diese Entwicklung mehr digitale Werbemöglichkeiten mit sich bringe und Unternehmen ihre mobilen Angebote priorisieren sollten, da die Covid-19-Pandemie mobile Endgeräte noch stärker als bisher zu bedeutenden Umsatztreibern gemacht habe.  

Aktuelle Apps der Möbelbranche 

Für die Möbelbranche gibt es bereits einige Apps, die von Kundinnen und Kunden sehr gut angenommen werden, weil sie das Leben angenehmer und das Auswählen und Entscheiden einfacher machen. Von den großen Social Media Netzwerken ist sicher Pinterest eine für die Möbelbranche sehr interessante App. Design-Fans holen sich hier Inspirationen und Einrichtungstipps. Wie Möbelunternehmen die App am besten nutzen, haben wir für Sie in unserem Pinterest-Guide festgehalten.  

Im Sommer 2020 führte das Traditionshaus und ambista-Mitglied Vitra eine App ein, die Besucher/innen auf dem hauseigenen Campus des VitraHauses begleitet. Mit der App erfahren Design-Begeisterte mehr über die Architektur des Hauses, über Vitra-Produkte und -Kollektionen und können direkt Beratungstermine im Interior Studio buchen.Ein weiteres Beispiel ist Architonic, eine App der gleichnamigen Design-Plattform, die nicht nur Informationen zu Designer-Möbeln ermöglicht, sondern auch den Kontakt zu Herstellern und Händlern.

Das Versandhaus Otto, ebenfalls Mitglied im ambista-Netzwerk, setzt hingegen auf direkte, intelligente Produktvorschläge und gab bei P&M eine App in Auftrag: „Der Kunde wünschte sich eine App, die anhand eines Bildes, das der User hochlädt oder direkt in der App aufnimmt, ähnliche Produkte findet und den Nutzer anschließend zum entsprechenden Shop mit seinem Lieblingsprodukt leitet“, erklärt die Agentur. Darüber schafft Otto einen weiteren Kanal, der Kundinnen und Kunden in den eigenen Online-Shop führt. 

So sieht die App alike aus, die P&M für Otto entwickelt hat. © screenshot

App-Entwicklungen, Möglichkeiten und Kosten für Möbelunternehmen 

Für Möbelunternehmen sind viele Apps denkbar und so sind Anfragen aus der Branche bei Digitalagenturen sehr häufig. Gewünscht werden Apps, mit denen über bewährte Punkte- und Bonussysteme an die eigene Marke gebunden werden sollen bis hin zu ganz neuen: „Augmented Reality findet immer mehr Anwendung“, berichtet Michael Haack von P&M.  

„Wenn Interessenten über eine App und die Kamera ihres Smartphones oder Tablets einen Tisch oder ein Sofa live im eigenen Wohnzimmer sehen können, erleichtert das die Kaufentscheidung ungemein.“ AR-Apps zu entwickeln sei allerdings sehr aufwändig.

„Es müssen viele Eventualitäten berücksichtigt, Schatten, Bewegungseffekte und vieles andere in 3D designt werden, damit Möbel über die Kamera im Raum visualisiert werden können.“ Das koste viel Zeit und entsprechend auch Geld, weiß der Sales-Manager und erklärt: „Eine App, die etwas leisten soll, lässt sich nicht unter einem Monat realisieren.“  

Programmierung, Abstimmungen, Änderungen, Anpassungen, Tests der App an der Zielgruppe und das Umsetzen der Testergebnisse zur Verbesserung der App brauche Zeit. „Zwei, drei Monate sollte man schon für eine App-Entwicklung planen“, rät Haack und gibt zu Bedenken: „Die Kosten für die Entwicklung einer gut funktionierenden, umfangreichen App können von 20.000 Euro bis hin zu sechsstelligen Zahlen betragen. Je nachdem, was die App alles leisten soll.“  

Nur unkomplizierte Apps, die zum Beispiel über wenige Menü-Punkte schlicht darüber informieren, was in einem Möbelhaus zu finden ist, sei relativ schnell gemacht und unter 10.000 Euro zu haben.

Michael Haack ist Head of Sales bei der Digitalagentur P&M, die für das Versandhaus Otto die App „alike“ entwickelte. ©Patrick Lux

Die Digitalisierung des Mittelstandes 

Kleinere Unternehmen setzen verstärkt auf Digitalisierung und setzen Apps in allen möglichen Unternehmensbereichen ein – von der Produktdaten-Stammpflege bis zum Vertrieb. „Der Vertrieb geht immer häufiger mit einem Tablet und einer App raus, statt mit einer unübersichtlichen Excel-Tabelle, auf der die Produkte verzeichnet sind“, weiß Michael Haack.  

„Vertriebstools sind sehr beliebt, weil sie vor Ort das Angebot visualisieren, Abschluss, Vertrag und Kundenbericht direkt am Tablet gemacht und ins Wirtschaftssystem eingepflegt werden können. Damit sind Apps für den Mittelstand ideal, weil sie Personal und Ressourcen einsparen, Prozesse optimieren und indirekt zur Umsatzsteigerung beitragen.“ Er ist überzeugt, dass die Digitalisierungswelle, die bereits vor Corona begann mit dem hoffentlich baldigen Ende der Pandemie nicht abebben wird.

Autor: Christine Sommer-Guist

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