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26. Feb 2019

Marie Kondo und die Möbelbranche

Mit ihrem Millionen-Bestseller „Magic Cleaning“ hat Aufräum-Expertin Marie Kondo mehr als einen kurzlebigen Trend ausgelöst: In Kombination mit Minimalismus hat das systematische Ausmisten auch Auswirkungen auf die Möbelbranche.

Marie Kondo ist ein Phänomen: Die japanische Autorin und Unternehmerin wurde weltweit zum Vorbild der Aufräumwilligen. Das geht so weit, dass es im Englischen heute sogar ein eigenes Wort gibt, das aus ihrem Nachnamen gebildet wird: Ordnung im Haushalt zu schaffen wird mit inzwischen mit „to kondo“ übersetzt. Soviel Begeisterung sorgt auch für Spott: Ikea Singapur macht sich in einem Werbesujet über die Kondo-Manie lustig und schlägt vor, doch einfach einen simplen Mülleimer für Aufräumtätigkeiten zu verwenden. Dabei sollte das Möbelhaus über den Trend froh sein – schließlich bietet das schwedische Unternehmen ja viele Produkte für Ordnungswillige an, von einfachen Boxen bis zu ganzen Schranksystemen. Auch andere Händler und Hersteller haben passende Lösungen parat.

Aufräumen als Publikums-Hit

„Magic Cleaning“ heißt das Buch von Marie Kondo, das auf der von ihr entwickelten Methode namens „KonMari“ beruht. Mehr als sieben Millionen Stück davon wurden bereits verkauft, Kondo hat eine achtteilige Netflix-Serie gedreht und war in unzähligen TV-Sendungen zu Gast, sie berät Unternehmen und gilt inzwischen als „größter Aufräum-Promi“ der Welt, wie es in einem Zeitungsartikel hieß. Das radikale Ausmisten wurde durch sie zu einem Trend, dem man inzwischen in Privathaushalten ebenso wie in Büroräumen, in Wohnungen ebenso wie in Landhäusern folgt. Was Kondo erfolgreich macht, ist aber weit mehr als eine simple Methode zum Aufräumen: Sie hat eine ganze Lebensphilosophie daraus gestrickt und will ihren Anhängern nicht nur den Weg zu aufgeräumten Wohn- und Schlafzimmern zeigen, sondern insgesamt zu einem glücklicheren Leben. Wer daheim radikal ausmistet, verändert sein ganzes Leben, so die Idee dahinter. „Das wahre Leben beginnt nach dem Aufräumen“, schreibt Kondo in ihrem Buch

Marie Kondo hat aber noch etwas anderes bewirkt: Sie hat zur richtigen Zeit eine praktische Anleitung zu einem anderen Thema geschaffen, das mit dem Aufräumen Hand in Hand gehen kann: In Zeiten von Überfluss und Reizüberflutung haben viele den Wunsch nach einem einfacheren Leben, ganz nach dem Motto „Weniger ist mehr“. Auch als Minimalismus oder Downshifting bezeichnet, passt diese Einstellung genau zur KonMari-Methode, die uns dort beginnen lässt, wo wir die Dinge am leichtesten selbst kontrollieren können – also daheim.

Rückzug in die eigenen vier Wände

Der Erfolg von Marie Kondo wurde aber auch damit erklärt, dass in einer Zeit gesellschaftlicher und politischer Unsicherheiten (Stichworte Trump und Brexit) der Rückzug in das eigene Reich besonders attraktiv erscheint. Dort besteht schließlich noch die Möglichkeit, Ordnung zu schaffen in einer Welt, in der sonst scheinbar das Chaos regiert. Schon seit Ende der 1990er predigt Werner Tiki Küstenmacher mit seinem „simplify your life“-Konzept die Befreiung von unnötigem Ballast, auch in dieser Hinsicht hat Marie Kondo also nicht wirklich etwas Neues erschaffen. Und dennoch hat sie einen Trend ausgelöst, der auch für die Möbelindustrie von Bedeutung ist. Vereinfachung, Reduzierung, Schlichtheit sind ja Themen, die nicht nur in Büchern, YouTube-Videos und Blogs Niederschlag finden – auch im Design und in der Möbelbranche insgesamt sind sie wichtig. Das äußert sich einerseits in der steigenden Popularität schnörkelloser, geradliniger Formen und Designwelten, andererseits in der wachsenden Bedeutung der Funktion des jeweiligen Produkts. Es wird viel öfter gefragt: Was bringt mir das? Was kann es? Möbel, die den Minimalismus und die Ordnung auf diese Weise unterstützen, nutzen demnach die Gunst der Stunde.

Trends in der Praxis nutzen

Was die Möbelindustrie – und andere Branchen – vom Erfolg der „Aufräum-Queen“ sonst noch lernen kann: Die Geschwindigkeit, mit der Trends plötzlich das Verhalten der Konsumenten beeinflussen, ist atemberaubend. Das Buch von Marie Kondo war schon zwei Jahre alt, als der Hype um ihre Ordnungsmethoden losging. Plötzlich sprangen nicht nur Online-Portale, sondern auch etablierte Printmedien auf den Zug auf. Da heißt es rasch reagieren und die Lehren aus dem Interesse und dem Verhalten der Konsumenten zu ziehen. Logischerweise können bestehende Produktlinien nur wegen eines Trends nicht umgestellt oder hinterfragt werden. Vielmehr geht es darum, sie neu oder anders in Szene zu setzen. Auch Marie Kondo hat ja nichts Neues erfunden, sie war mit ihrer Methode aber klarer, radikaler und ganzheitlicher als bestehende Ansätze.

Für die Hersteller und Verkäufer der passenden Produkte bieten solche Trends generell stets Chancen – die passenden Produkte rund um Themen wie Ordnung, Aufräumen und Aufbewahrung sind ja meist längst vorhanden. Vielfach braucht es aber eine passende Anleitung, wie sie richtig und zielführend genutzt werden können. Das Produkt und seine Gebrauchsanweisung alleine sind nicht entscheidend, es braucht eine stimmige Geschichte rundherum. Genau das hat Marie Kondo gemacht und mit ihrer Aufräum-Philosophie daher viele Menschen angesprochen. Darüber könnte man den Kopf schütteln – oder seine Lehren ziehen.

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