07. Feb 2019

Bosnien-Herzegowina ist neuer Möbel-Hotspot

Bosnien-Herzegowina ist nicht als Mekka für Möbeldesign bekannt. Trotzdem konnten Möbelhersteller aus dem Balkanstaat durch die Verknüpfung von traditionellem Handwerk und moderner Formsprache in den letzten Jahren international für Furore sorgen. Das Zusammenspiel von natürlichen Materialien, Massivholz und hoher handwerklicher Schnitzkunst ließen die weltweite Design-Szene aufhorchen und verschafften Möbeln aus Bosnien-Herzegowina die Aufmerksamkeit, die das Land verdient.

Vom Handwerk zum UNESCO-Weltkulturerbe

Beim bosnischen Design ist der Handwerker der heimliche Star, denn er verleiht den Möbeln durch seine Hände einen weltweit unverwechselbaren Look. Zanat ist das Paradebeispiel hierfür. Die Wurzeln des Unternehmens liegen in Konjic, südwestlich von Sarajevo.

Vor knapp 100 Jahren entwickelte der Firmengründer Gano Niksic eine einfache Art der Handschnitz-Technik, der sogenannte "bosnische Konjic-Stil", der im Dezember 2017 von der UNESCO auf die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen wurde.

Lange Tradition, visuelle Identität und ihrer Bedeutung für die Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina überzeugten das Komitee zu diesem Schritt. Muster, die mal wie Fischschuppen, mal wie feine Streifen die Produkte einmalig machen – dafür steht die Konjic-Technik und Zanat.

Heute ist das Unternehmen nicht nur durch seine große Handwerkskunst bekannt, sondern auch aufgrund seiner klaren Formsprache. Die Basis für diese Kombination legte 2015 die schwedische Designerin Monica Förster, die bis heute als Art Director Zanat beratend zur Seite steht. Aus der Verbindung von skandinavischem Ausdruck und hochwertigen bosnischen Handwerk ergibt sich gestalterisch ein spannender Kontrast, der den internationale Designmarkt revolutionierte.

Der "Unna-Chair", ein Esszimmerstuhl, der im Design schlicht, aber doch ausgefallen ist oder der Konsolentisch "Sana" sind nur zwei Beispiele der Entwicklung des Designs von Zanat. Neben Förster haben zwischenzeitlich mit Gert Wingårdh, Harri Koskinen und Ilse Crawford drei weitere Design-Größen sowie einige lokale Kreative für das Label entworfen.

Traditionelles Handwerk und neues Design

Nicht nur Firmen, die auf eine lange Geschichte zurückblicken, besinnen sich auf die Wurzeln der traditionellen Möbelfertigung. Auch das junge bosnische Unternehmen Gazzda vereint in seinen Entwürfen natürliche Materialien, modernes Design und bewährte Handarbeit.

Egal, ob Lounge-Chair, Esszimmerstuhl oder Barhocker: In der aktuellen Kollektion dreht sich alles um das Sitzen. Gazzda fertigt seine Möbel aus Massivholz und setzt auch sonst auf natürliche Materialien. So sind die Sitzbezüge der neuen Kollektion aus Wolle oder Baumwolle und neben Holz kommt auch Linoleum zum Einsatz.

Die aktuelle Fawn-Kollektion, bei der in erster Linie Eiche verwendet wurde, besticht durch luftige Aussparungen und ein klare Formsprache – nichts erinnert an Eichen-Möbel vergangener Tage.

Auch wenn der Balkan bisher kein Hotspot des Möbeldesigns gewesen ist, beweisen Labels wie Zanat oder Gazzda, dass sich das schon längst geändert hat. Ihre Verbundenheit zu traditionellem Handwerk aus der Region und ihr Gespür für zeitgemäßes Design zeigen deutlich, dass sie den Wunsch des Konsumenten nach Individualität und Authentizität verstanden haben.

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