17. Aug 2020

Circular Economy: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Das Ziel der Circular Economy - Kreislaufwirtschaft - ist es, das Wirtschaftswachstum von der Nutzung natürlicher Ressourcen und Ökosysteme abzukoppeln, indem diese Ressourcen effektiver genutzt werden. In den Bereichen Material-, Komponenten- und Produktneuverwertung ist dies ein Motor für Innovation sowie ein Schlüsselfaktor für neue Geschäftsmodelle. Die Möbelbranche ist dafür prädestiniert.

Circular Economy - Grundlagen, Zielsetzung und Inhalte 

Eine maßgebliche Grundlage für die konkrete Umsetzung der Circular Economy bildet eine UN-Resolution aus dem Jahr 2015 mit 17 Zielen für eine nachhaltige Entwicklung, denen sich auch die Bundesregierung angeschlossen hat.  

Die Kreislaufwirtschaft basiert auf dem Prinzip, Rohmaterialien und Produkte so lange wie möglich im Produktionskreislauf zu halten. Zielsetzung ist es also, Systeme so zu gestalten, dass kein Abfall mehr entsteht und die Abhängigkeit von endlichen Ressourcenreserven reduziert wird.  

  • Eine zirkuläre Wirtschaft kurbelt den industriellen Wettbewerb an, sowohl national wie auch international. Sie fördert mehr Ressourcenproduktivität und reduziert die langfristige Abhängigkeit von Rohmaterialien.  
  • Unternehmen können so nicht nur neue Wertschöpfungsquellen erschließen, sondern durch Kosteneinsparungen auch zur stabilen Entwicklung bereits existenter und neuer Märkte sowie deren Lieferketten beitragen. 
  • Zirkuläre Geschäftsmodelle sind ressourcenstabil, da sie die physische Neuzuweisung beziehungsweise Wiederverwendung alter Produkte für neue Zwecke gemäß dem Vertriebsziel des Wertschöpfungskreislaufs umfassen (siehe Grafik). 

  • Circular Economy legt den Fokus auf die gemeinsame Nutzung materieller Ressourcen durch eine mehr auf Zusammenarbeit basierte Form des Verbrauchs, wobei die Kunden für die Vorteile der Nutzung eines Produkts bezahlen anstatt dafür, es für sich zu besitzen. 

Folgt man der Logik der zirkulären Wirtschaft, dann verkaufen Unternehmen die Nutzung ihrer Produkte (Produkt-Service-Modelle) durch Vermietungs- oder Zugangsvereinbarungen. Sie bleiben also während des gesamten Lebenszyklus Eigentümer ihrer Güter und können gleichzeitig ihre Leistungskompetenzen durch Wartung, Reparatur und Wiederverwendung erweitern. 

Dass das Mieten von Gegenständen das Kaufen in Zukunft ersetzen kann, zeigt auch eine KPMG-Studie von 2019. „Der Zugang zu bzw. die Nutzung von Gütern ist für viele Konsumenten wichtiger als deren Besitz – gleichzeitig steigt das Bedürfnis nach Nachhaltigkeit…“ Die QVC-Zukunftsstudie „Living 2038: Wie lebt Deutschland übermorgen?“ ergänzt dazu. „Im Jahr 2038 hat Besitz als Statussymbol ausgedient. Mieten und Leihen ersetzt das Kaufen.“ 

Das Gesamtpaket macht es – die Optionen für die Möbelbranche

Wie in anderen Branchen hält auch im Home & Interior-Bereich die Digitalisierung zunehmend Einzug. Infolgedessen gewinnt auch der Onlinehandel im umsatz-dominanten Möbelsegment immer mehr an Bedeutung.  

Zugleich verändern sich aufgrund der neuen Technologien auch die Anforderungen und das Kaufverhalten der Kunden. Für Hersteller und Händler ergeben sich daraus eine Vielzahl innovativer Möglichkeiten, durch interessante Touchpoints und neue Customer Journeys die Kunden besser abzuholen.  

KPMG/IHF Köln führte 2018 in ihrer Marktstudie “Auf Zukunft ausgerichtet – Studie zur Zukunft des Möbelmarktes in Deutschland“ aus, dass die Kunden in Deutschland jährlich mehr aus 40 Milliarden Euro für Möbel ausgeben. Allerdings lag der Planungshorizont der befragten Kunden für den Kauf von Möbeln bereits 2018 schon bei einem Zeitraum größer als zwölf Monate.  

Im Ergebnis einer anderen Marktstudie zu „Sharing Economy und Konsummodelle der Zukunft“ von KPMG/IFH Köln bereits aus 2017 wäre für ca. 20 Prozent der Befragten eine Nutzungsmöglichkeit über Mieten gegenüber Kauf wichtig.

Für die Möbelbranche bietet der Aufbau von Sharing - und Mietsystemen entsprechende Optionen, neue Planungszeiträume zu schaffen und damit die Kundenbeziehungen weiter zu sichern und zu entwicklen. 

Vor allem durch den Einsatz der Materialien, der Fertigung und die Beschaffenheit der Produkte ist die Möbelbranche zum großen Teil für eine Mehrfachnutzung prädestiniert. Konkret bedeutet dies den Einsatz recycelter oder verantwortlich bezogener erneuerbarer Materialien, eine Langlebigkeit der Produkte und die Schaffung von Voraussetzung für Rückkauf (Rebuy), Wiederaufbereitung bzw. Upcycling-Möglichkeiten

Die Krise als Chance – Megatrends als Treiber 

Die aktuelle Situation stellt alle Branchen vor große Herausforderungen und noch sind die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen nicht absehbar. Das rasante Tempo der Digitalisierung in den letzten Monaten hat gezeigt, dass Umbrüche gerade in Krisenzeiten auch enorme Chancen beinhalten. Die globalen Megatrends werden in diesen Entwicklungen deutlicher wahrgenommen, schneller und nachhaltiger etabliert als sonst. Hier macht auch die Möbelbranche keine Ausnahme. 

  • So zwingt der Megatrend New Work zum Umdenken in Bezug auf die Integration neuer Stakeholder und zu Veränderungen in der Zusammenarbeit. Und dies nicht nur innerhalb der eigenen Lieferkette. Coopetition heißt das Zauberwort.  
  • Urban-Manufacturing (Megatrend Urbanisierung) gibt der Möbelbranche die Möglichkeit der Überarbeitung und Neuausrichtung für zeitgemäße Partnerschaften Herstellung - Handel – Dienstleistungen (z.B. Showrooms, Wiederaufbereitung, Lagerung, Logistik). 
  • Durch den demographischen Wandel mit neuen Kundengenerationen, einem anderen Konsum - und Besitzdenken sowie Veränderungen in den Zielgruppen (Megatrends Mobilität und Individualisierung) bekommt die Branche große Chancen für den Aufbau neuer und langfristiger Kundenbeziehungen.

Eines ist aber klar. Mit einem „Weiter so“ wird es nicht gelingen. Die fortschreitende Umsetzung der Circular Economy und die Dynamik der Megatrends zeigen dies.

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Porträt von Andre Hempel
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