08. Jul 2020

Colornetwork: Farben nachhaltig denken

Katrin de Louw, Inhaberin der Firma „Trendfilter-Designzukunft für Möbel und Materialien“ und Gründerin des Farbverbunds, möchte weg von modischen Farben und hin zu „Sustained Color“. Wie das gelingen soll, erklärt Sie in unserem Interview.

Farben spielen für das Interior Design eine wichtige Rolle. Nicht nur Farbpsychologen wissen, dass Farben unsere Stimmung beeinflussen und die richtigen Farbakzente die Wahrnehmung eines Raums nachhaltig verbessern können. Allerdings spielte das Thema Nachhaltigkeit bei Farben bisher keine allzu große Rolle. Dass will das neue Projekt „Colornetwork: Design with Care“ jetzt ändern.  

Sie haben 2020 ein neues Projekt gestartet: Das Colornetwork. Wofür steht der Farbverbund? Was macht Ihre Arbeit aus? 

Durch die Verknappung des Wohnraumes mit offenen Wohnküchen einerseits und durch den wachsenden Konsum im Netz mit entsprechend problematischer Farbwiedergabe am Bildschirm andererseits entsteht der zunehmende Bedarf, Produkte der Einrichtung farblich aufeinander abzustimmen: das Sofa zur Küche, den Fußboden zur Arbeitsplatte, das Möbel Ton in Ton mit der Wand. Ich entwickle seit 20 Jahren Produkte für Materialhersteller und Möbelzulieferer und hatte schon seit langem die Idee, das miteinander zu verknüpfen. 

Was bedeutet es, wenn man Farbe nachhaltig denkt, was ist eine „Sustained Color”? 

Wir wollen weg von modischen Farben in der Inneneinrichtung und denken Farben langfristig und nachhaltig. Dazu wählt jedes Jahr ein wechselndes Gremium aus namhaften Designern und Innenarchitekten unsere „Sustained Color“, die sich durch ihre zurücknehmende und zeitgemäße Persönlichkeit ebenso auszeichnet, wie durch ihre vielseitige Kombinationsmöglichkeit.

Unsere erste Farbe „be rooted!“ passt zum Beispiel zu allen Holzarten und kann sowohl leicht frisch und nordisch wirken in der Kombination mit hellem Holz und Pastellfarben oder auch mediterran edel mit Messing, Blau und dunklen Hölzern, wie Nussbaum. Die Farben, die wir wählen, schränken den Innenarchitekten und Einrichter nicht ein, geben aber Sicherheit für eine langzeitgültige Architektur.  

Produkttransparenz wird in alle Branchen immer wichtiger. Der Kunde will wissen, woher sein Produkt kommt und ob es unter fairen Bedingungen für Mensch, Tier und Umwelt produziert wurde.

Für Sie war das Colornetwork ein Herzensprojekt. Wie wollen Sie die Einrichtungsbranche damit zu einem Umdenken bewegen und mehr Transparenz in der Branche fördern? 

Wir verpflichten unsere Partner zu einem Sustainability Statement für das Produkt, welches wir öffentlich zum Download bereitstellen. Darin ist die gesamte Prozesskette nachzuvollziehen, von der Rohstoffgewinnung über Produktion, Lieferwege, Lebensdauer und Recyclingmöglichkeit des Produktes, und zwar so, dass es jeder versteht und die Produkte sogar vergleichbar sind, denn alle Hersteller nutzen für die Angaben, das gleiche Formular.

Das schafft nicht nur eine wirkliche Produkttransparenz, sondern spornt vor allem die Hersteller an, nachhaltiger zu produzieren. Schon jetzt haben Partner durch unseren Impuls Stellschrauben gefunden und gedreht, um umweltschonender zu produzieren, zum Beispiel indem sie die Verpackung weiter minimiert haben. 

Seit der Gründung des Farbverbunds „Colornetwork: Design with Care!“ Anfang des Jahres konnte das Team rund um Katrin de Louw schon einige Netzwerkpartner gewinnen. © Colornetwork: Design with Care!

Sie sind mit dem Colornetwork erst seit kurzen auf dem Markt. Wie hat die Branche auf Ihren Ansatz reagiert? Wie war das Feedback und wie viele Mitglieder konnten Sie schon akquirieren? 

Wir sind am 1. Januar 20 furios gestartet und hatten schon im Januar gute Klickraten auf der Homepage. Auf der imm cologne in Köln haben wir über verschiedene Partner, die Aussteller waren, wie mobitec, RAL, Wimmer, bereits auf das Colornetwork hingewiesen und sind auf großes Interesse gestoßen. Die Messezeitung schrieb auf der Titelseite „Sustained Colors liegen im Trend“.

Viel mehr geht nicht. Wir zählen schon heute 20 namhafte Unternehmen als Mitglieder, von der kleinen und individuellen Manufaktur bis zum Industrieriesen. Die Mischung macht es hier, aber wir sind noch lange nicht am Ende, sondern haben starkes Potential. Leider hat Corona auch uns ein bisschen ausgebremst aber wir merken jetzt, dass es wieder anzieht.  

Und zuletzt noch eine Frage zum Thema Wohntrends: Sie selbst sind Innenarchitektin und stehen der Möbelbranchen auch als Trendexpertin zur Verfügung. Welche Wohntrends werden sich Ihrer Meinung nach nach Corona rausfiltern? Wie hat die Pandemie die Einrichtungsbranche verändert? 

Corona verändert die Welt nachhaltig. Es hat insbesondere die Megatrends stark gepusht – in die eine oder die andere Richtung. Während wir die Digitalisierung enorm vorangetrieben haben und das Thema Gesundheit und Nachhaltigkeit zukünftig die wichtigsten Treiber auch für unsere Einrichtung werden, haben die Trends zur Globalisierung und Mobilität einen ordentlichen Dämpfer erfahren.

Regionalität wird sehr wichtig, Beschaffungsketten und Recycling zunehmend hinterfragt. Corona hat auch gemacht, dass auch ältere Berufstätige auf Ihre Work-Life-Balance zunehmend bestehen. Wir erfreuen uns wieder an den kleinen Dingen des Lebens und hinterfragen den schnellen und sinnlosen Konsum. Das wird die Einrichtungsbranche auch merken. Es wird auch insgesamt weniger, aber wertiger konsumiert – die Bedeutung des eigenen „Zuhause“ ist insgesamt gestiegen auch die des eigenen Kochens und Versorgen.

Sicherheit spielt dabei auch eine wichtigere Rolle. Schließlich haben wir gemerkt, dass wir die Natur nicht beherrschen, sondern dass wir uns und auch die Umwelt schützen müssen. Auch haben wir die Grenzen der „Tiny Spaces“ gespürt. Der Lockdown hat Menschen über viele Tage und Wochen in ihrem Zuhause eingesperrt und wer auf engem Raum mit mehreren Menschen leben musste, stieß an Grenzen. Das alles vergessen wir nie mehr und wird einfließen in das zukünftige Bauen und Einrichten.  

Katrin de Louw ist Inhaberin der Firma „Trendfilter-Designzukunft für Möbel und Materialien“ und Trendexpertin für Möbel und Einrichtung im deutschsprachigen Raum. Sie berät seit über 20 Jahren Unternehmen in Design, Produktentwicklung, Marketing und Vertrieb. Neben dem Trendforum „servicepoint A30“ im Zentrum der deutschen Möbelindustrie in OWL verantwortet sie seit 2020 auch das „Colornetwork: Design with Care!“.  

 

Das Interview führte Bernadette Trepte

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