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09. Jan 2019

Comeback der Muster und Dekore im Interior Design

Schlichte Schönheiten rekeln sich vor bewegtem Hintergrund: Muster und Motive wechseln vom Sofa auf Wand und Boden. Gekonnt kombiniert ergibt das immer ein gutes Motiv.

Muster haben es aktuell schwer in unseren Wohnungen. Auf vielen Wänden, Polstermöbeln, Regalen oder Teppichen sucht man sie vergebens. Im Interior Design angesagt sind vollflächige moderne Farben oder Farbharmonien sowohl im Wohnzimmer wie in Küche und Bad. Wirklich? Eine Trendwende zum Muster kündigt sich bereits an.

Der Einsatz von Mustern ist eine Herausforderung. Muster gelten als dekorativ und sind somit per se hübsch anzuschauen, so der massentaugliche Irrglaube ganzer Generationen. Dass man da auch viel falsch machen kann, beweisen unzählige Wohnzimmer vor allem aus den 70er- und 80er-Jahren. Mit dem Einzug der Digitalität und der planen Flächen an Boden, Decke und Wand soll vor allem Modernität erzeugt werden.

Abgesehen von dem Sternen-Regen motivverliebter Vintage-Fans und ethnisch inspirierten Textilien konnten sich Muster in den letzten Jahren kaum durchsetzen. Spätestens mit dem Abebben der Landhaus-Welle erstrahlen selbst Wohntextilien in homogener Schlichtheit.

Doch bei genauem Hinschauen ist zu erkennen, dass Designer auch in vollflächig uni-farbigen Zeiten Muster und Strukturen sehr geschickt einsetzen. Sofas erhalten ein dezentes Blumen-Muster, Sessel punkten mit geometrischen Grundformen und Küchen sehen in betont rauer Beton-Optik modern und rustikal zugleich aus.

Haptische Erfahrungen: das Wohlfühlen von 3D-Strukturen

Stoffe für Polstermöbel sind häufig Mischgewebe mit besonderer, bewusst unregelmäßiger Garnstruktur. Optisch wirkt die Materialoberfläche voluminös und dreidimensional. Viskose verleiht dem Stoff einen zarten Glanz, Farbtiefe und Weichheit. Und obwohl das Sofa auf den ersten Blick einfarbig ist, ist das eingewebte Muster im Stoff sehr prägnant. Mit innovativen Stoffgeweben arbeiten zahlreiche Polstermöbelhersteller – wie aktuell zum Beispiel das deutsche Designlabel Cor.

Ein Sofa kann auch durch Steppungen ein Muster erhalten – wie zum Beispiel das Sitzmöbel Bonnie von Ligne Roset. Die regelmäßige Reihung von Einprägungen kann nicht nur für die ergonomische Formung genutzt werden, sondern auch für eine unvergängliche Musterung einer Oberfläche sorgen.

Imitation und Inspiration zugleich: die Natur als Ideenlieferant Nr. 1

In der Natur sind viele Muster und Strukturen zu finden, die Designern und Produktentwicklern aktuell als Inspirationsquelle dienen. Umgesetzt werden sie nicht nur in Form des Imitat, sondern auch als Abstraktion – zu finden in vielen organischen oder geometrischen Mustern.

In einer Zeit, in der ein nachhaltig agierender Lifestyle immer wichtiger wird, ist die Natur Vorbild und Ideal zugleich. Und wenn die Anwendung von Holz oder natürlichen Materialien nicht praktikabel ist, wie etwa bei Holzfußböden im Badezimmer oder in der Küche, wird die Natur einfach imitiert und mit den positiven Eigenschaften bewährter Materialien kombiniert.

Der neue, enorm erfolgreiche Klassiker in diesem Bereich sind Fliesen in Holzoptik. Dank moderner Produktionsverfahren lässt sich unser Gehirn über die eigentliche Materialität täuschen und interpretiert Farbe, Muster und materialgetreu geprägte Oberflächenstrukturen als Original.

Natürlich ist die Verwendung von Vollholz im Interior Design aktuell genauso gefragt – ob als ausdrucksstarkes Eichenparket, als speziell behandeltes Einzelmöbel mit individueller Holzoberfläche (gerne auch mit Gebrauchsspuren oder eindrucksvoller Patina) oder als Tisch, der aus jahrhundertalten Weinfässern gefertigt wird. Wie die Haut, die bei jedem Menschen einzigartig ist, ist der natürliche Werkstoff die DNA eines Möbels, eines Bodenbelags oder einer Arbeitsplatte.

Wand und Boden werden wieder bemustert

Während Möbel sich ausgesprochen dezent geben, gibt es bei den Wänden eine deutliche Trendwende: Die Mustertapete kehrt mit Macht zurück. Waren es in den letzten Jahren eher die Sitzmöbel oder Stauraummöbel mit interessanten Oberflächen, die vor neutralem Hintergrund glänzten, heben sich die eher schlicht daherkommenden aktuellen Sofas besonders gut vor aufregend gemusterten Wänden ab.

Ob Streifentapete, edel barock geprägte oder mit auffälligen Popart-Motiven bedruckte Tapete, kleinteilig oder großzügig mit Mustern im Rapport überzogene Wände oder coole Fototapeten mit floralen, aquarell-artig "gemalten" oder Baumaterialien imitierenden Motiven – die Auswahl ist schier grenzenlos.

Viele Designer entdecken aktuell das Tapetenmuster wieder für sich. Vor allem geometrische Muster stehen für modernen, eleganten Lifestyle. Wie den Naturgesetzen folgenden Algorithmen spielen sie mit der DNA moderner Gestaltung und modernen Lebensgefühls. Die Motive werden dabei immer mutiger und/oder großformatiger.

Je auffälliger das Muster, desto eher werden die Tapeten nicht als Kleid für ganze Räume, sondern als Hingucker an einer Wand eingesetzt. Die Wand wird dann zum Bild, zum Statement zeitgenössischer Lebensart. Muster und Farben kehren hierbei gerne im Gesamtkonzept des Stylings wieder, sodass ein interessantes und harmonisches Interieur entsteht.

Die Tapetenindustrie hat ihre Hausaufgaben gemacht, punktet mit innovativen Mustern und Gestaltungsideen und setzt neue Fertigungsverfahren für Prägungen und Oberflächenveredelungen kreativ ein.

Und auch der Fußboden zeigt sich wieder belegt. Teppichboden als Auslegware ist schon lange nicht mehr en vogue, doch Teppiche gehören zum aktuellen Repertoire jeder Wohnung, die etwas auf sich hält: als originelle Unikate oder als modisches Gestaltungselement werden sie unter Tischen, Lampen oder Sesseln drapiert.

Oft erzählen die verwendeten Muster dabei eine Geschichte, wie etwa bei der Kollektion Common Threads von Jan Kath: Als Vorlage für die neueste Teppichkollektion dienten Stickarbeiten von jungen Frauen aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. Die Motive sind modern, geschmackvoll und dezent – wie alle neuen Muster im Einrichtungsbereich.

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