21. Jan 2018

Möbel aus wirklich nachwachsenden Rohstoffen

Die Natur ist verschwenderisch, produziert im Überfluss. Doch was sie im Überfluss produziert, verwertet sie auch vollständig wieder. Der Mensch produziert ebenfalls im Überfluss. Allerdings ist vieles davon nicht wiederverwertbar und kann auch nicht ohne weiteres entsorgt werden. Daher forschen Materialexperten und Designer mit Nachdruck, um zu Lösungen zu kommen, die uns weg von Überfluss und Abfall und hin zu einer Kreislaufwirtschaft führen können.

Dazu zählt etwa der tschechische Designer Šimon Kern. Sein Beleaf Chair folgt dem Prinzip der Natur, dass es keine Abfälle, sondern nur Wertstoffe gibt, die am Ende ihres Seins den Beginn für etwas Neues darstellen. Die Idee dazu kam Kern in einem herbstlichen Park. Hier fallen jährlich Tonnen an Laub an, die Entsorgt werden müssen. Anstatt sie zu verbrennen, hat der Prager Designer die vergilbten Blätter mit einem Bio-Harz gemischt und daraus eine Sitzschale gepresst. „Mein Projekt konzentriert sich auf die praktische Anwendung von Blätterabfall aus den Städten für die Möbelindustrie, um weg von Kunststoff hin zu einer nachhaltigeren Lösung zu kommen", erklärt Kern. Entsorgungslösung für die städtischen Gärtnereien inklusive.

Für die einen Abfall, für die anderen Werkstoff

Auf eine etwas andere Weise hat sich die lettische Designerin Tamara Orjola mit Baumabfällen beschäftigt. In der Holzindustrie werden jährlich allein in Europa 600 Millionen Kiefern verarbeitet. Wenn man bedenkt, dass etwa 20-30 Prozent der Baummasse aus Nadeln besteht, ist das eine ganze Menge Abfall. Mittels Zerhacken, Einweichen, Dämpfen, Karrieren und Pressen lassen sich weichen Fasern aus den Nadeln herausarbeiten, die dann als Grundlage für Textilien dienen können. Gemeinsam mit der deutschen Designerin Katherina Jebsen ist aus diesem Material eine interessante Arbeit mit dem Titel „Forest Wool“ entstanden.

Pilze als Assistenten

Fast schon ein Hit sind die „Pilz-Leuchten“ von Danielle Trofe. Die New Yorker Designerin stellt aus Getreidehalmen und Schalen von Getreidekörnern Lampenschirme her. Hilfe erhält sie dabei von einem Pilz. Denn mittels Pilzmy­zelien (also den fadenförmigen Zellen eines Pilzes) wachsen diese in eine Form gepressten Agrar-Reststoffe zusammen. Bereits nach einigen Tagen ist der Lampenschirm „ausgewachsen“. Er wird erhitzt, getrocknet und mit einer biologisch abbau­baren Farbe auf Milchbasis beschichtet. Dadurch erhält der Lampenschirm sein ansehnliches weiß und wird zudem auch noch wasserabweisend.

Selbstwachsende Möbel

Gavin Munro lässt gleich ganze Möbel wachsen. Massenproduktion in Biofabrikation also, ohne Bretter zu sägen oder Holz zu leimen. Über 400 solcher selbstwachsender Möbel hat er derzeit auf seinem Feld in Derbyshire angepflanzt. Dazu werden die Äste mit Drähten oder Kabelbindern in zuvor definierten Formen fixiert und so die Wachstumsrichtung vorgegeben. Allerdings beträgt die Wartezeit bis zur Möbelernte, je nach Größe und gewünschter Stabilität, bis zu sechs Jahre. Danach müssen die Exemplare noch ein Jahr in der Tischlerei trocknen, bevor die einzigartige Holzoptik durch einen besonderen Schliff herausgearbeitet wird. Wer sich also selbst sein Möbel wachsen lassen will, braucht Zeit. Kleiner Tipp: Weiden eignen sich besonders gut für diese Art der Möbelherstellung, da sie sehr schnell wachsen.

Schreiben Sie den ersten Kommentar
Weitere Artikel
Alle zeigen