24. Apr 2019

Deton: Der nachhaltige Beton der Zukunft

Unter dem Motto "Disruptive Materials – Changing the Future" werden anlässlich der interzum im Mai 2019 einige der jüngsten Materialinnovationen und Technologien in Köln präsentiert. Bei dem Berliner Unternehmen Deton UG dreht sich alles um das Thema Nachhaltigkeit und optimierte Baustoffe – biologischer Beton und 3D-Robotertechnologien für Bauen 4.0.

Pflanzlicher Dämmbeton als Alternative

Auch wenn viele Architekten Sichtbeton lieben, erfüllen monolithische Fassaden aus Normal- und Leichtbeton meist nicht die hohen Anforderungen an die Wärmedämmung. Gerade Wohnhäuser sind eine besondere Herausforderung: Zur optimalen Isolation müssen hier an die Fassaden häufig Wärmedämmschichten angebracht werden.

Der Beton verschwindet hinter der Dämmung und somit auch die besondere ästhetische Wirkung des verwendeten Materials. Außerdem ist bei einem Abriss des Gebäudes die Trennung der Baustoffe bei zweischichtigen Fassadensystemen sehr zeitaufwändig. Beton kann in der Regel sehr gut recycelt werden, aber nur wenn es frei von nichtmineralischen Bestandteilen ist – was so nicht gegeben ist.

Mit "Deton" hat das Berliner Unternehmen Deton UG einen nachhaltigen Baustoff entwickelt, der das Problem in Angriff nimmt. Deton enthält neben Zement auch Pflanzenfasern und recycelte Füllstoffe und kann so als mineralischer und organischer Baustoff vollständig recycelt werden.

Die geschlossenporige Oberfläche sorgt zudem für einen permanenten Feuchtigkeitsschutz und verhindert das Eindringen von Wasser, was zur schimmelresistent sowie Feuer- und Kugelsicherheit des Baustoffes führt.

Außerdem gewährleistet die Pflanzenfaser im Zementstein die Wärmefähigkeit des Materials: Durch das gleichmäßige Volumen des Materials entsteht zusätzliche Speichermasse, die einer Überhitzung des Gebäudes im Sommer und einer Nachtabkühlung im Winter entgegenwirkt. Aufgrund der guten Dämmeigenschaften von Deton wird der Passivhausstandard bei einer Wandstärke von rund 50 Zentimetern erreicht. Eine weitere Isolierung ist nicht mehr notwendig.

Deton 3D: Das Extrusionsverfahren

Der Forschungsschwerpunkt liegt bei "Deton 3D" auf dem Extrusionsverfahren, bei dem Zement, Sand und Wasser vorab mit weiteren Komponenten mittels des von Deton UG patentieren Verfahrens gemischt werden. Durch das Ablegen von schmalen frischen Deton-Strängen werden Bauobjekte mittels 3D-Betonmodellierung aufgebaut.

Als Extruder dient ein Schneckenförderer, der den Frischbeton von oben nach unten durch eine Düse mit kreisförmigen Öffnungen drückt. Zur Führung des Extruders wird ein auf Schienen geführter Carbon-Rahmen eingesetzt, der je nach Baugröße angepasst werden kann.

Mit dieser Methode lassen sich auch große Bauobjekte vergleichsweise schnell erzeugen. Die Reduzierung des Zementanteils durch das Ersetzen adhäsiver Fasern bringt Vorteile für den Fertigungsprozess sowie für die Eigenschaften des erhärteten Baustoffs, etwa eine Verringerung des Gewichts und der Wärmeleitfähigkeit.

Deton 3D ist als Weiterentwicklung von Deton für 3D-Betonmodellierer vorgesehen. Im Vergleich zum traditionellen Stahlbetonbauverfahren kann bei der vollautomatischen 3D-Betonmodellierung im Gebäudebau zusätzlich ein hohes Einsparpotential erzielt werden. Das gilt vor allem für Materialkosten, Planungskosten, Ausführungskosten, Transport- und Logistikkosten, die Montagedauer und natürlich auch die Lohnkosten.

Zukunftsvision Bauen 4.0

Nail Förderer, CEO Deton UG, geht es mit der Entwicklung von Deton und der 3D-Betonmodellierung um die Revolutionierung der Bauindustrie. "Deton ist ein Multifunktionsmaterial, was wir mit der 3D-Betonmodellierung kombinieren", erklärt Förderer.

"Durch diese Kombination wird in Zukunft effizienter und umweltfreundlicher gebaut werden können. Die Bauindustrie kann so nachhaltig verändert werden, um auch endlich einen Beitrag zur Rettung unserer Umwelt zu leisten.“

Die Vision des Unternehmensgründer ist eine Automatisierung, eine Selbstorganisierung des Gebäudebaus mittels modernster Robotik- und 3D-Betonmodellierungstechnologien. Wie das gelingen soll, erklärt er am 22. Mai 2019 im Speakers Corner auf der interzum 2019.

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