04. Feb 2019

Die Form folgt dem Material

Die Idee, industrielle Fertigungsprozesse zu adaptieren und für Möbelbau und Architektur nutzbar zu machen, ist nicht neu. Bereits in den 1930er Jahren unternahm der französische Architekt und Designer Jean Prouvé erste Schritte in diese Richtung. Ähnlich wie für Jean Prouvé zählt für Oskar Zieta die ästhetische Qualität des Produktes. So entstehen am Ende eines sehr technischen Herstellungsprozess stilvolle, ästhetische Möbel und Designobjekte.

Bei Zieta Prozessdesign ist der Werkstoff Hauptakteur. Das polnische Unternehmen zeigt, dass Blech nicht nur einfach zweidimensional, sondern von innen heraus formbar ist. Ohne Druck von außen kann sich das Blech kontrolliert entfalten. Die Möbel und Wohnaccessoires, die mit der sogenannten FIDU-Technologie entstehen, überzeugen in puncto Design und der außergewöhnliche Herstellungsprozess macht neugierig.

Die Entwicklung der FIDU

Während seines Studiums der Architektur an der ETH Zürich startete Oskar Zieta, Gründer und Designer von Zieta Prozessdesign, erste Untersuchungen zur Eigenschaft von Metallen. 

Das besondere Interesse von Zieta galt dabei den Deformationsprozessen von Blechen. Daraus entwickelte er im Laufe der Zeit die FIDU (Freie Innendruckumformung), eine Adaption der IHU (Innenhochdruckumformung), die in der Automobilindustrie verwendet wird.

Bei der IHU wird durch hohen Druck von außen Blech gebogen, geknickt, gewalzt und in Form gebracht. Die Idee der FIDU-Technologie ist allerdings eine andere: Hier werden zugeschnittene, ultradünne Bleche verschweißt und durch Innendruck geformt.

Wie das funktioniert? Als erstes werden die Möbelstücke am PC entworfen und konfiguriert. Dem Entwurf folgend, werden sehr dünnen Bleche mit Hilfe eines Laserschneiders in Form geschnitten. Die ausgeschnitten Blechkonturen werden aufeinandergelegt und an den Rändern verschweißt.

In welcher Walzrichtung die Bleche miteinander verbunden werden, spielt später für die Stabilität der Möbel eine entscheidende Rolle – in Längsrichtung ist die Stabilität der Bleche höher als in Querrichtung. Mit Hilfe von Luftdruck oder Wasser werden die zweidimensionalen Bleche "aufgeblasen" und anschließend in die dritte Dimension gebracht.

"In dieser Phase der Herstellung sprechen wir vom kontrollierten Kontrollverlust", erklärt der Designer. Kontrolliert deshalb, weil die Form des Möbelstücks durchaus steuerbar ist, aber lokale Kontrollverluste nicht vorhersehbar sind. Kontrollverluste entstehen vor allem an den Rändern der verschweißten Bleche.

Der wesentliche Unterschied zwischen FIDU und IHU ist, dass der Herstellungsprozess ohne teures Werkzeug auskommt und deshalb auch kleine Stückmengen produziert werden können. "Man kann auch sagen, dass FIDU eine sehr romantische Version der IHU ist", sagt Zieta.

Farbe als Leitmotiv

Auf der imm cologne/LivingKitchen 2019 präsentierte Zieta Prozessdesign erstmalig Modelle, die durch Thermofärbung eine besondere Optik und Ästhetik erhalten haben. Die thermische Färbung ist eine selten verwendete Technologie, die von Zieta beherrscht wird.

Das Erwärmen der Objekte und die Verwendung von hohen Temperaturen macht es möglich, die gewünschte Farbe zu erreichen und die überraschende Schönheit von Metall, ohne die Verwendung von chemischen Farbstoffen oder Farben, hervorzuheben. Die Thermofärbung wurde verwendet, um eine Neuauflage des Plopp Hockers zu kreieren und die Basis des bionischen G-Tisches zu vervollständigen.

Mit FIDU in die Zukunft

Mit Hilfe von FIDU entstehen Möbel, die ein geringes Gewicht haben, aber um ein Vielfaches mehr belastbar sind. Genau hier liegt das Potential für die Zukunft der Architektur und dem Ultra-Leichtbau. So hat Zieta Prozessdesign mit „blow & roll“ ein vier Kilometer langes, aufgewickeltes Stahlprofil entwickelt.

Da das Profil erst vor Ort durch Luftdruck aufgeblasen wird, ist der Transport mit geringem logistischem Aufwand möglich. Das aufgeblasene Stahlprofil dient als Fundament für unterschiedliche Baukonstruktionen.  Die Technologie von FIDU ist noch ein verhältnismäßig junges Fertigungsverfahren, somit bleibt die zukünftige Entwicklung spannend und offensichtlich auch vielfältig.

Produkte

J-Chair

von Zieta Prozessdesign Sp.z.o.o.

Chippensteel 0.5 Stuhl

von Zieta Prozessdesign Sp.z.o.o.
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