19. Okt 2020

Die grüne Möbelbranche. Wieviel Nachhaltigkeit geht noch?

Eine gute und eine schlechte Nachricht am Anfang. Die gute Nachricht ist, dass die Möbelindustrie in ihren Prozessen in puncto Nachhaltigkeit grüner und besser aufgestellt ist als viele andere Branchen. Die Schlechte, es reicht nicht. Ein Um- und Weiterdenken ist daher gefragt. Wir werfen einen Blick auf realistische Wege, vorhandene Konzepte und neue Optionen.  

Enkelfähigkeit für unseren Planeten schaffen 

Umweltbewusstsein ist vom individuellen Lifestyle zur gesellschaftlichen Bewegung und wirtschaftlichen Notwendigkeit geworden. Unsere Umwelt zu schützen, ist eine gemeinsame Aufgabe aller Generationen und Verpflichtung für jeden Bereich des öffentlichen Lebens. Das gilt auch für Unternehmen, insbesondere die Möbelbranche. 

Diese hat zahlreiche Möglichkeiten, ihre Klimabilanz zu verbessern. Aktuell zum Großteil noch freiwillig, wird vieles bald verpflichtend sein. Daher ist eine Umsetzung nicht nur ein nachhaltiger Ansatz, sondern auch wichtig für eine wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit. Das Ziel sollte in jedem Fall sein, Klimaschutz dauerhaft im Unternehmen zu verankern. Wirksamkeit, Transparenz und Glaubwürdigkeit spielen dabei eine entscheidende Rolle.  

Der Weg zu einer langfristigen Klimaschutzstrategie beinhaltet verschiedene Bausteine, die passend zum Unternehmen gestaltet und aufgebaut werden können. Beispiele dafür sind: 

  • Erstellung der CO2-Bilanz des Unternehmens (CCF - Corporate Carbon Footprint)
  • Berechnung der CO2-Emissionen der Produkte (PCF – Product Carbon Footprint) 
  • Aufbau einer Unternehmens-Klimaschutzstrategie zur CO2-Emissions-reduzierung (CO2-Reduktion) 
  • Errichtung eines klimaneutralen Unternehmens und Produkte (CO2-Ausgleich) 
  • Entwicklung einer klimaneutralen Supply-Chain-Lösung des Unternehmens 
  • Etablierung einer Klima-Kommunikationsstrategie des Unternehmens. 

Vom „Bäume pflanzen“ und nachhaltigen Gütezeichen in der Möbelindustrie  

Das Nachhaltigkeitsziel eines Unternehmens sollte Klimaneutralität sein. Trotz aller Vermeidungen und Reduktionen wird allerdings eine bestimmte Restmenge an CO2-Emissionen verbleiben. Um diese auszugleichen können Firmen anerkannte Klimaschutzprojekte mit unterschiedlichen Standards unterstützen. Für regionale Projekte bieten sich hier vor allem Aufforstungsaktionen als natürlicher Klimaschutz an.  

Ein weiterer wichtiger Ansatz ist die Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten des Unternehmens – nicht nur aus wirtschaftlichen Aspekten. Aktuell ist dies nur verpflichtend für börsennotierte Unternehmen beziehungsweise mit einer Beschäftigtenanzahl von mehr als 500 Mitarbeitern.  

Mit Bezug auf das kommende Lieferkettengesetz kann sich dies aber bald ändern und sollte durch die freiwillige Erstellung als Chance für den Mittelstand gesehen werden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Freiwilligkeit schafft Kundenvertrauen, Transparenz zeigt Schwachstellen in betrieblichen Abläufen und Verbesserungspotential im bisherigen Nachhaltigkeitshandeln auf. 

Ein gutes Beispiel findet sich im Nachhaltigkeitsbericht 2017 der Wimmer Wohnkollektionen GmbH unter dem Punkt Ökologie – Schwachstellen erkennen und beheben: „In diesem Zusammenhang ist uns als erstes die Plastikverpackung unserer Möbelstücke als Schwachstelle ins Auge gesprungen.“ 

Über den Nachhaltigkeitsbericht hinaus haben die Unternehmen verschiedene Möglichkeiten, sich nachhaltiges Handeln anerkennen zu lassen. Hier sind viele Möbelhersteller und -händler bereits gut aufgestellt und grüner als manch andere Branche: 

  • Zertifizierungen der Umweltmanagementsysteme durch EMAS und ISO 
  • Emissionslabel der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel (DGM) 
  • Klimapakt nach den Richtlinien für den Klimaschutz der DGM 
  • Das Goldene „M“ - Prüf- und Qualitätssiegel der DGM und RAL 
  • PEFC – weltweit größtes Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldwirtschaft 
  • Made in Germany - Qualität aus Deutschland und Produktion am Standort 
  • Blauer Engel – Umweltzeichen der Bundesregierung und RAL

Seit 1970 verbrauchen wir weltweit mehr Biokapazität als die Ökosysteme dauerhaft bereitstellen können. „Wir nutzen so viel Natur als hätten wir 1,7 Planeten Erde“, stellt die Organisation „Brot für die Welt“ in ihrer Untersuchung zum ökologischen Fußabdruck fest. © Canva

Natürliche Ressourcen effizienter nutzen – ProgRess III kommt 

Am 17.06.2020 hat das Bundeskabinett das dritte Deutsche Ressourceneffizienzprogramm (ProgRess III) mit der Zielsetzung zum sparsamen Umgang mit Rohstoffen beschlossen. Vor allem Unternehmen sollen natürliche Ressourcen entlang der gesamten Wertschöpfungskette effizienter nutzen. 

Progress III setzt den Fokus darauf, die Chancen digitaler Technologien für mehr Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit, soziale Gerechtigkeit und eine intakte Umwelt zu nutzen und entsprechende Aufklärungsarbeit zu leisten. Das Themenspektrum der 119 Maßnahmen umfasst unter anderem ökologischen Sorgfaltspflichten in den Rohstofflieferketten, Beratungsangebote für Unternehmen sowie die Reparierbarkeit von Produkten für eine Wiederbenutzung. 

Mit einem Seitenblick auf den Megatrend Neo-Ökologie bietet ProgRess III eine gute Option für die zeitgemäße Umsetzung der Sharing Economy. „Nutzen statt Besitzen“, das Prinzip ist zu einem neuen Wertschöpfungsmodell geworden – gerade dort, wo man es mit begrenzten Ressourcen zu tun hat. Hier liegen auch wieder die Chancen der Möbelbranche für neue Kundenangebote. 

Was Hygge, Cocooning und Möbel zum Mieten verbindet – eine (mögliche) Trendbetrachtung demnächst hier.

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