08. Dez 2020

Die Vielfalt des Mietens und die Perspektiven für Möbel

Es ist ja nicht so, dass wir das Thema Mieten nicht kennen oder es selbst nicht auch schon nutzen würden. Aber kennen wir wirklich alle Optionen? Und welche Perspektiven bieten Geschäftsmodelle mit Vermieten der Möbelbranche? Vier Blickwinkel zum Thema Rental – zur Historie des Mietens, in eine andere Branche, über „den Teich“ und natürlich auf die Möbel.

Was mit dem Haus und der Wohnung begann…

Das Mieten ist ein fester Bestandteil unseres heutigen Lebens. Der Ursprung des Begriffes geht auf das achten Jahrhundert zurück und hat bis jetzt viele inhaltliche Veränderungen und angepasste Definitionen erlebt. Im Wortschatzlexikon der Universität Leipzig findet sich das Wort „Miete“ aktuell in der zweithöchsten Kategorie für Verwendungen in Texten wieder. Bemerkenswert.

Wann das erste Haus vermietet oder die erste Wohnung angemietet wurde, ist geschichtlich nicht belastbar hinterlegt. Die ersten gesetzlichen Regelungen zur Wohnungsmiete in Deutschland gehen auf die Zeit des Ersten Weltkrieges zurück, anfangs noch separaten Gesetzgebungen. Erst ab 1960 erfolgte sukzessive die Integration in das BGB.

Mietangebote, neben Haus und Wohnung, haben sich in den letzten Jahrzehnten etabliert und wachsen permanent – in der Anzahl und in der Vielfalt. Spürbar in unserem Alltag ist dies vor allem im Mobilitätsbereich.1988 konnten in Berlin die ersten Autos gemietet werden – das Geburtsjahr von CarSharing. Fahrradverleih hat sich ebenfalls über verschiedene Varianten bis hin zu digitalen Bike-Sharing-System entwickelt.

Wie sieht es aber anderen Bereichen aus? Welche Mietmodelle gibt es beispielsweise in der schnelllebigen Fashionbranche und was können die „Möbelianer“ adaptieren? 

Historisch gesehen begann der Markt der Vermietungen mit Häusern und Wohnungen. © Canva

Von Designer-Kollektionen bis zu „virtuellen“ Kleiderschränken

Angefangen mit Kostümverleih, über Abend-und Hochzeitsgarderobe, Kindermode ist das Mieten inzwischen auch in den Alltags-und Luxussegmenten angekommen. So hat sich das US-Unternehmen Rent The Runway als Vermiet-Plattform seit der Gründung 2009 zu einem „Lighthouse“ entwickelt und bietet heute Mode zum Mieten in der Zusammenarbeit mit über 650 Designern an, u.a. Gucci. 

Was in den USA begann, hat sich mittlerweile auch In der D-A-CH – Region etabliert. Das Angebotsspektrum der Online-Plattformen geht von der Vermietung von Fremdkollektionen und eigenen Designs, über Second Hand bis zum Peer to Peer-Austausch in gemeinsamen „virtuellen“ Kleiderschränken. 

Alle Anbieter eint der Grundsatz der Abonnement-Systematik – Subscription. Die Unterschiede liegen hauptsächlich in den Mietintervalle und Anzahl der möglichen Anmietungen, in den Leistungspaketen sind unter anderem die Logistik und Reinigung der Produkte enthalten.

Nachhaltigkeit in der Vermietung definiert sich neben der Mehrfachnutzung auch zunehmend über dem Einsatz der Materialen und leistet damit ihren Beitrag in der Fair Fashion Entwicklung. In dem System des Mietens wird das Produkt zum Bestandteil der Leistung. Product as a Service – ein elementares Merkmal der Circular Economy.

Und auch ein klares Plus in puncto Aufbau von customer relationship - die Kunden in ihren Entwicklungen zu begleiten, ihre veränderten Bedürfnisse und Anforderungen zu erkennen und in neue Angebote zu integrieren.

Auch die Vermietung von Kleidungsstücken inzwischen ist inzwischen in den Alltags-und Luxussegmenten angekommen. © Canva

Furniture as a Service (FaaS) – Und wieder Made in USA

Die Wurzeln des Möbel-Mietens auf der Grundlage von FaaS liegen auch hier wieder jenseits des „großen Teiches“ und existieren bereits seit knapp 50 Jahren. Die Größe des Landes und die traditionell stärkeren Umzugsbedarfe durch berufliche und damit auch private Lebensumstände haben zu neuen Überlegungen und Konzepten im Umgang mit dem Nutzen und Besitzen von Möbeleinrichtungen geführt. Man hat sie schon allein aus ökonomischer Sicht führen müssen.

Die Einsatzbereiche sind vielseitig – von Büromöbeln für klassische Unternehmens-Offices und Coworking-Spaces bis zu Möbelausstattungen für Studentenwohnen, Micro-Apartments für Wohnen auf Zeit und einer individuellen Anpassung des eigenen Zuhauses. Auch für Immobilienmakler bieten Objektbesichtigungen im möblierten Zustand wesentlich höhere Abschlussquoten – Mieten macht es möglich.

Die lange Erfolgsgeschichte unter anderem auch von Unternehmen wie CORT zeigt die Vorteile von Furniture as a Service auf. Es ist eben mehr als nur der Produktverkauf, sondern bindet Elemente wie Umzugsorganisation (Re-Location) und Unterstützung bei der Immobilien- oder Wohnungssuche mit ein. Die eigenen Produkte als Teil des kompletten Leistungsangebotes von A bis Z – mehr Kundennähe geht nicht.

Rental Hybrid – der nächste Schritt

Manchmal ist es nicht die richtige Zeit für einen Sprung, aber definitiv für den nächsten Schritt. Für die Möbelbranche – vom Produzenten bis zum Händler – liegt die Option des nächsten Schrittes im Aufbau von hybriden Geschäftsmodellen auf Basis Sales und Rental. 

Dazu braucht es nicht wie beim Hybridauto zwei Motoren oder doppelte Strukturen. Wer verkaufen will, muss die richtigen (guten) Produkte haben und seine Kunden, ihre Bedürfnisse kennen. Gleiches Prinzip gilt auch für das Vermieten.

Sicher müssen teilweise Prozesse adaptiert und auch parallel neu aufgesetzt werden. Aber letztlich sind es die Ausgangsgrößen Produkte und Kunden sowie die Betrachtung des Anpassungsbedarfes von Marketing und Organisation, um in die Umsetzung zu gehen.

Verkauf als Basis, Vermietung als Stabilisator und Wachstumsfaktor – die genannten Beispiele zeigen Learning Lessons und die ökonomischen Vorteile für die Möbelbranche. Wie genau funktioniert Rental Hybrid und wie wird daraus ein Product as a Service? Demnächst mehr und hier.

Ansprechpartner
Porträt von Andre Hempel
Andre Hempel standard.toggle-bookmark Geschäftsführung
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Kommentare (1)
Porträt von Friedrich Ostermann
Friedrich Ostermann
Konzeptwerk GmbH
19:18 | 11.12.2020
Das Produkt nicht an den Benutzer zu verkaufen sondern nur die Benutzung als Service zur Verfügung stellen ist im Sinne von "XaaS" Modellen ein spannender Ansatz, wenn der Anbieter gleichzeitig im Produktlebenszyklus Daten aus der Alltagsanwendung des Produktes bekommt. Gibt es hierfür schon technische Ansätze / Geschäftsmodelle?
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