29. Okt 2020

Wie digital ist mein Marketing?

Digitalisierung ist inzwischen kein neues Thema mehr. Je nach Branche hat sie sich unterschiedlich stark und schnell ausgeprägt. Die unternehmensspezifischen Unterschiede sind groß. Und auch innerhalb eines Unternehmens sind in den seltensten Fällen alle Abteilungen gleichermaßen digitalisiert. Dieser Einsteiger-Check soll Ihnen beim Feststellen des Status quo Ihres Unternehmens dienen und potentielle Möglichkeiten durch eine Digitalisierung des Marketings offenlegen.

Heterogene Digitalisierung

Während Logistik und Direktvertrieb oftmals schon weitgehend digitalisiert sind, wird für das Marketing oft noch mit herkömmlicher Produktfotografie gearbeitet und aufwändige Vor-Ort-Fotoshootings durchgeführt. Zwar ist die Kamera des Fotografen “digital”, der Prozess selbst hingegen ist über alle Maßen analog. Sehr verbreitet ist teils noch die Annahme, dass man mit mittels 3D-Renderings statt Fotografie keine realistischen Visualisierungen erstellen könne. Diese Ansicht ist nicht mehr zeitgemäß.

Ein großer Teil der Möbelhersteller- und händler hat dies bereits erkannt und befindet sich zur Zeit im Umbruch von Fotografie auf Renderings. Tatsächlich hat es noch nie einen besseren Zeitpunkt für diesen Wechsel gegeben als genau jetzt, zu Zeiten von COVID-19, in denen dezentraler und digitaler gearbeitet wird, als jemals zuvor in Deutschland.

Die folgenden Abbildungen sollen beim ersten Schritt in diesem Themenfeld unterstützen. Sie helfen dabei, zu erkennen, in welcher Phase sich Ihr Unternehmen bereits befindet.

Der Großteil der Unternehmen des deutschen Mittelstands befindet sich in den Phasen zwei bis vier, das heißt die ersten Schritte wurden bereits unternommen oder sind bereits fester Bestandteil der operativen Prozesse.

Erster kleiner Praxistipp für Neueinsteiger​, die sich einen ersten Überblick über die Marktpreise verschaffen möchten: Je präziser und vollständiger Ihr Projektbriefing samt Anhang und Angabe der gewünschten Darstellungsqualität ist, desto bessere Preise werden Ihnen voraussichtlich angeboten, da die meisten Agenturen dann weniger Sicherheitspuffer einplanen werden.

Zweiter kleiner Praxistipp für Neueinsteiger​: Nicht jede Agentur hat das gleiche Pricing und was noch viel variabler ist: Den gleichen Qualitätsanspruch. Wer von Fotografie auf Renderings wechselt und dabei in Schritt eins direkt den Preis senken möchte, erhöht unnötigerweise sein Risiko, enttäuscht zu werden.

Mehr als 50 Prozent aller Visualisierungsprojekte werden unserer Erfahrung nach während der Umsetzung mindestens einmal erweitert oder verändert, da das Produktsortiment umgestaltet wird oder sich Materialkombinationen verändern. Beim Fotoshooting ist das im besten Fall lediglich lästig, im schlimmsten Fall lässt es sich nicht rechtzeitig umsetzen.

Bei Rendering-Projekten bedeutet das meistens wahlweise eine E-Mail oder einen Anruf bei der Agentur und ist somit deutlich entspannter für Team, Budget und Umsetzbarkeit, da 3D-Szenen inklusive 3D Modell, Materialien, virtuelles Licht und Perspektive gespeichert werden und jederzeit flexibel geändert werden können.

Gerade die sich eröffnenden Möglichkeiten sind es, welche auch die Digitalisierung des visuellen Marketings auf lange Sicht durchsetzen werden. Der folgende Abschnitt stellt die Vision vor, die einige Unternehmen der Möbelbranche sowie in Home & Living bereits heute erfolgreich in der Praxis umsetzen.

Die Vision in der Praxis

Es handelt sich im Folgenden nicht um ein fiktives Zukunftsszenario, sondern um bereits heute gelebte Praxis einiger Unternehmen, die sich in den Phasen vier und fünf befinden:

Sobald ein neues Produkt verfügbar ist, werden die CAD-Dateien aus der Produktion zur Verfügung gestellt und auf Basis derer sowie einiger formfreier Referenzbilder ein digitaler Zwilling erstellt. Dieser kann bereits erstellt sein, noch bevor die Ware im Showroom oder in der Filiale steht.

Der digitale Zwilling kann bereits für Renderings, Animationen, Web 3D etc. verwendet werden, das heißt das Produkt kann operativ mit visuellem Material beworben werden, noch bevor es am POS oder im Fotostudio ist. Bereits an dieser Stelle bietet ein 3D-Modell schon mehr Möglichkeiten, als es Fotografie jemals könnte.

Der digitale Zwilling kann direkt in der virtuellen Messe oder im virtuellen Showroom eingebunden werden. Zudem wird ein AR-Modell erstellt, um dem Endverbraucher die Möglichkeit zu geben, das Produkt per AR-Technologie übers Smartphone in das Wohnzimmer oder den Garten zu stellen. Dies erhöht die emotionale Bindung zum Produkt und somit die Conversion-Rate.

Ebenso wie die Produkte, verfügen auch die Materialien über einen digitalen Zwilling. Bei Bedarf kann hier flexibel versioniert werden. Zudem lassen sich so produktspezifische Materialkombinationen durchspielen und visualisieren, ohne dass dafür ein Prototyp gefertigt werden müsste.

Tatsächlich verschließt man sich keinerlei Möglichkeiten durch die Nutzung moderner 3D-Technik: Das Gegenteil ist der Fall. Wenn man sich jedoch den digitalen Visualisierungsmethoden verweigert, bleiben einem einige Türen verschlossen. Diese Türen tragen dabei Namen wie Virtuelle Messe, Web 3D, AR etc. Um diese Metapher abschließend noch einmal übermäßig zu belasten: Eine besonders große Tür trägt die Aufschrift “Kostensenkungen”.

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