17. Dez 2018

Drei Fragen an Designer Jon Christie

Jon Christie, ein ehemaliger DJ mit über 20 Jahren Erfahrung in der Möbelherstellung, ist einer der ersten Designer, der die traditionelle Möbelfertigung mit modernster 3D-Drucktechnologie verbunden hat. Wir haben mit ihm über seine ersten Schritte am 3D-Drucker gesprochen und die Chancen, die sich Dank 3D-Druckverfahren für die Zukunft der Möbelindustrie ergeben.

Erinnern Sie sich noch an die Anfänge Ihrer Arbeit mit dem 3D-Drucker? Was waren die technischen Schwierigkeiten bei der praktischen Anwendung der neuen Technologie? Und wie kann der 3D-Druck eine Bereicherung für die Möbelherstellung sein?

Ich erinnere mich sehr gut. Das war im Jahr 2015. Meine Universität, die University of Dundee in Schottland, hatte gerade einige 3D-Drucker angeschafft und ich war sofort sehr daran interessiert, wie ich die Vorteile der neuen Technologie nutzen konnte.

Ich hatte zwar auch vorher schon mit dem 3D-Druck gearbeitet, da musste ich die Dateien zu meinen Entwürfen aber noch jedes Mal verschicken, um sie woanders ausdrucken zu lassen.

Später war die Firma Ultimaker so freundlich, mir leihweise ein paar 3D-Drucker zur Verfügung zu stellen, mit deren Hilfe ich dann den Esstisch Saul und die zugehörigen Stühle hergestellt habe. Der Ultimaker Original, der erste 3D-Drucker, den ich mit nach Hause nehmen durfte, war dann der Begin einer doch ziemlich steilen Lernkurve für mich, besonders bei der Verwendung von Color Fabbs XT-CF20, einem kohlefaserverstärkten Filament.

Im Laufe des Projekts stieß ich auf ein Problem nach dem anderen, von denen die meisten auf die eine oder andere Weise mit dem 3D-Druck und meinem Mangel an Wissen über diese Technik zu tun hatten. Probleme mit Filamenten, die nicht richtig drucken, Drucker, die blockieren, unebene Druckbetten, Probleme mit Teilen, die während des Druckens schrumpfen, sich ausdehnen oder bewegen.

Bei dem Versuch, irgendein besonders widerspenstiges Trägermaterial zu entfernen, habe ich es sogar fertig gebracht, mir die Sehne eines Fingers zu durchschneiden. Die Liste ließe sich noch endlos fortführen. Aber mit zunehmender Erfahrung bekam ich immer mehr dieser Probleme in den Griff.

Ich würde sagen, man muss sich einfach kopfüber in das Thema stürzen und dann einfach drauf los probieren. Der 3D-Druck ist ja ein völlig neues Werkzeug im Toolkit eines Herstellers, das man dann nutzt, wenn es Vorteile gegenüber der traditionellen Fertigungsweise bringt. Und davon gibt es eine ganze Menge, es gibt allerdings auch so manche Nachteile, nicht zuletzt aufgrund der Kontraktion oder Expansion, die oft nicht ganz gleichmäßig auf die Teile wirkt.

Und wenn die Abmessungen auch nur leicht abweichen, ist es dann ein echtes Problem, wenn man 3D-Druckteile mit anderen Materialien verbauen möchte. Ich habe sehr viel Zeit damit verbracht, Holzteile von Hand nachzubearbeiten, um sie richtig montieren zu können.

Die Herstellung von Möbeln erfolgt traditionell in Handarbeit. Warum haben Sie sich für die Herstellung von Hybridmöbeln entschieden? An welcher Stelle genau kann bei der Produktion nicht auf die traditionelle Handwerkskunst verzichtet werden?

Ich habe Additive Manufacturing oder 3D-Druck häufig dann verwendet, wenn es mir einfach darum ging, einen Mangel an Fähigkeiten in der Holzbearbeitung auszugleichen. Es gab Zeiten in der Schreinerei, in denen ich zwar ganz genau wusste, wie etwas aussehen sollte, ich es aber einfach nicht produzieren konnte.

Der 3D-Druck hat es mir in solchen Fällen ermöglicht, diese Ideen in unsere dreidimensionale Welt zu übertragen, um sie dann zum Beispiel hinsichtlich ihrer Vorteilhaftigkeit für Individualisierung, Montage, Logistik und Lebenszyklus genau untersuchen, testen und weiterentwickeln zu können.

Die Materialien für ein bestimmtes Projekt werden nach ihren besonderen Eigenschaften, vor allem nach ihrer möglichst hohen Belastbarkeit und Biegesteifigkeit, ihrer einfachen Handhabung und ihrer Wiederverwertbarkeit im Recycling-Kreislauf ausgewählt. Hinsichtlich der Farbgebung können sie als Künstler oder Designer im Prinzip genauso arbeiten wie in der traditionellen Herstellungsweise, zumindest wenn Sie mit PLA- oder ABS-Filament arbeiten.

In diesem Fall können Sie für fast jede Farbe eine Möglichkeit finden, bei anderen Materialien sind Sie allerdings stärker eingeschränkt. Das XT-CF20 beispielsweise, das ich für den Prototyp der Teile für Saul verwendet habe, war nur in Schwarz erhältlich, und das Polycarbonat, das in meinem darauf folgenden Projekt zum Einsatz kam, gibt es nur in Glasklar, Schwarz oder Weiß. Aber die Eigenschaften des Materials haben in der Entwicklung ganz klar Vorrang vor der Farbe.

Derzeit wird die Form der von mir entworfenen Möbel noch in keiner Weise durch den 3D-Druck beeinflusst, das kann sich aber durchaus ändern. Grundsätzlich entwerfe ich ein Möbelstück meinen Vorstellungen entsprechend zunächst so, wie ich es mir vorstelle und arbeite dann den besten Weg für die Herstellung aus, was in der überwiegenden Zahl der Fälle den 3D-Druck nicht beinhaltet. Die Montage erfolgt dann ähnlich wie bei einem vollständig traditionell gefertigten Möbelstück.

Genaue, starke und straffe, spielfreie Verbindungen sind dabei absolut essentiell. Mit Verbindungselementen aus dem 3D-Druck können Möbel zerlegt und schnell am Bestimmungsort montiert werden. Darüber hinaus können beispielsweise der "Saul"-Tisch und die Stühle nach den Wünschen des Kunden gestaltet werden – so können Farbe, Abmessungen und Art des verwendeten Laubholzes frei gewählt werden.

Bei der Arbeit mit verschiedenen Materialien ist die Suche nach geeigneten Verbindungen oft das größte Problem. Das traditionelle Handwerk wird jedoch immer Teil meines Prozesses bleiben, denn meiner Meinung nach gibt es kein besseres Material für Möbel als Holz. Holz hat einfach bestimmte Eigenschaften, die der 3D-Druck niemals erreichen kann.

Der 3D-Druck hat für den gesamten Herstellungsprozesses an Bedeutung gewonnen, und dies in den verschiedensten Branchen. Wie sehen Sie die Entwicklung speziell für die Möbelindustrie und vor allem auch für deren Zulieferer, wenn Designer ihre Materialien und Verbraucher ihre Möbel bereits selbst drucken?

Der größte Vorteil des 3D-Drucks ist seine Geschwindigkeit. Mit der Technologie können Designer und Hersteller die Prototypenentwicklung und den allgemeinen Entwicklungsprozess erheblich beschleunigen. Je nach Komplexität des Projekts kann die Zeit, in der ein bestimmtes Teil entworfen und auch hergestellt wird, auf wenige Stunden oder Tage reduziert werden.

Danach halte ich bereits einen dreidimensionalen Prototypen in den Händen, den ich ganz nach Bedarf auf Herz und Nieren testen kann, ohne einen traditionellen, zeitaufwändigen und kostspieligen Herstellungsprozess durchlaufen zu müssen.

Für ein weiteres Voranschreiten der Revolution, den der 3D-Druck ausgelöst hat, werden jedoch neue Materialien von entscheidender Bedeutung sein. Wir Designer sind ständig auf der Suche nach neuen Materialien mit günstigen Eigenschaften für neue Anwendungen oder mit verbesserten Eigenschaften im Vergleich zu dem, was uns bereits zur Verfügung steht.

Mit einer immer größeren Auswahl an Materialien wird auch die Popularität dessen, was wir 3D-Drucken nennen, immer weiter zunehmen. Die Technik steckt noch in den Kinderschuhen, hat aber eine große Zukunft. Designer und Ingenieure werden ihren Konstruktionsprozess anpassen müssen, um die Vorteile des 3D-Drucks voll ausschöpfen zu können, der ja in der Lage ist, in einem Durchlauf mehrere Komponenten mit mehreren beweglichen Teilen und dies in mehreren Materialausführungen zu drucken.

Produkte

3D-foiled fronts

von Otto-Vertrieb GmbH & Co.KG

3D-Mechanismus-Stuhl

von Harvest Excel International Pte Ltd.

3D - Spacer and 3D - Soft

von Campos Montaverner S.L.
Schreiben Sie den ersten Kommentar
Weitere Artikel
Alle zeigen