14. Mär 2019

Interview: @decor8-Bloggerin Holly Becker

„7 von 10 Menschen haben den Artikel, den sie schließlich kaufen, zuerst online gesehen. Wenn Sie also Ihre Produkte und Dienstleistungen nicht auf die bestmögliche Weise online anbieten, wird die Konkurrenz das Geschäft machen – so einfach ist das", erklärt Holly Becker, Inhaberin und Gründerin von decor8 („decorate“), einem der weltweit bekanntesten Designblogs. Wir sprachen mit ihr über ihre Anfänge als Interior Design-Bloggerin im Jahr 2006, ihr neues Influencer-Magazin „Living at Home + Holly“ und ihre Empfehlungen für erfolgreiches Social Media Marketing.

Sie haben Ihren Blog „decor8“ vor mehr als 10 Jahren gestartet. Wie haben sich Blogs und das Blogging seit 2006 weiterentwickelt?

Ich habe im Januar 2006 damit angefangen, als es noch völlig neu war zu bloggen und es sich einfach spannend anfühlte, es einmal auszuprobieren. Zu dieser Zeit arbeitete ich als Beraterin für Innenarchitektur und wollte eigentlich anfangen, für Zeitschriften über Design zu schreiben.

Mein Blog gewann sehr schnell sehr viele Leser – Ende 2006 war er bereits so populär wie viele der Magazine, für die ich ursprünglich schreiben wollte! Also arbeitete ich weiter an decor8, begann aber auch damit, nebenher als freiberufliche Journalistin für Zeitschriften und Zeitungen zu schreiben.

Im Laufe der Zeit kam die Zusammenarbeit mit Werbetreibenden und Marken hinzu. Ich startete eine Onlineplattform, auf der ich Unterricht im Bloggen gab, begann Bücher zu schreiben (bisher habe ich vier alleine geschrieben und Beiträge zu fünf weiteren beigesteuert) und habe einfach immer wieder neue Dinge ausprobiert.

Ich bin von meiner ganzen Mentalität her einfach Unternehmerin – ich liebe es, Risiken einzugehen und neue Dinge zu versuchen, am liebsten Dinge, die noch nie zuvor gemacht wurden.

Sind Unternehmen heute offener für Blogger und Kooperationen mit ihnen?

Ja, denn sie wissen, dass wir eine eigene Marke mit einem eigenen Publikum sind. Und dieses Potenzial ist natürlich interessant für sie.

Seit Januar erscheint mit „Living at Home + Holly“ das erste Influencer-Magazin im Living-Bereich auf dem deutschen Markt.

Ja, es ist das erste Magazin seiner Art in Deutschland und ich bin wirklich stolz darauf, hier die Erste zu sein. Für mich ist es wichtig, anderen zu zeigen, dass ich keine Angst habe, neue Dinge auszuprobieren, auch wenn es Risiken gibt und auch wenn man Angst hat, ob eine Sache klappt oder vielleicht nicht.

Ich möchte gerne so etwas wie ein Vorbild auch für andere kreative Menschen sein, jemand, der ihnen zuruft: "Geht raus, probiert neue Dinge aus und hört auf, Euch von Euren Ängsten aufhalten zu lassen!" Es muss nun einmal immer den einen verrückten, furchtlosen Menschen geben – und das bin ich sehr gerne.

Aber auch wenn ich grundsätzlich ein zuversichtlicher Mensch bin, mache ich mir natürlich auch Sorgen und habe manchmal Angst – ganz so wie jeder andere Mensch auch. Der Unterschied ist, dass ich mich davon nicht abhalten lasse, die Dinge zu tun.

Herausforderungen spornen mich an. Und außerdem mag ich es, eine Frau zu sein, die mein kleiner Junge respektieren kann. Aber ich genieße auch den Respekt von anderen, die sagen: „Da ist mal eine Frau, die ihren Träumen folgt und bei ihren Ideen bleibt. Das will ich auch!"

Wie ist die Zusammenarbeit mit Gruner+Jahr zustande gekommen?

Das war eigentlich ganz unspektakulär. Ich saß in einem Meeting mit Sinja Schütte, in dem es um meine Kolumne für das flow-Magazin ging. An einer Stelle lachte sie und sagte: „Holly, du hast so viele gute Ideen, du solltest eigentlich dein eigenes Magazin haben“.

Und ich musste auch lachen und sagte: „Nun, ich habe eigentlich schon seit Jahren ein komplettes Konzept für ein Magazin in der Schublade, aber irgendwie war der Zeitpunkt nie richtig“.

So fing das an, und ein Jahr später stehen wir hier, mit der ersten Ausgabe in einer Auflage von 100.000 Exemplaren in deutscher Sprache. Und online gibt es alles auch auf Englisch.

Was ist das Konzept hinter dem Magazin? 

Unsere Zusammenarbeit ist einfach das Beste aus beiden Welten: Sinja und ihr professionelles Team bei G&J, die seit über 20 Jahren in der Zeitschriftenwelt arbeiten und das Print-Publishing wirklich so verstehen, wie ich es nun einmal nicht tue – das ergänzt sich perfekt mit mir als jemand, der ein Pionier im Bereich Design-Blogging ist und so viele Verbindungen und wunderbare, talentierte Freunde in der Branche hat.

Ich bringe in dieser Verbindung das tiefe Verständnis für Social Media mit und als jemand, der immer hellwach ist, wenn es um frische Trends in diesem Bereich geht, freue ich mich, diese mit allen unseren Lesern auch in gedruckter Form teilen zu können.

Sie geben sehr erfolgreich Seminare zum Umgang mit Social Media. Worauf müssen Unternehmen bei den Inhalten ihrer Kanäle achten? Und wie sieht Ihrer Erfahrung nach der richtige Mix aus Informationen zum Produkt und zum Unternehmen aus? Was würden Sie hier empfehlen?

7 von 10 Menschen haben den Artikel, den sie kaufen, zuerst online gesehen. Wenn Sie also Ihre Produkte und Dienstleistungen nicht auf die bestmögliche Weise online anbieten, wird die Konkurrenz das Geschäft machen – so einfach ist das.

Sie sollten ca. 30% darauf verwenden, die von Ihnen angebotenen Produkte und Dienstleistungen darzustellen. In weiteren 30% sollte es um Ihre Unternehmenskultur gehen, also quasi um das „Making of“: Was passiert hinter den Kulissen, woraus werden die Produkte hergestellt etc. etc.

Noch einmal 30% sollten Kundenfotos Ihrer Produkte und Ihren eigenen, professionell gestylten Produktfotos gewidmet sein. Die letzten 10% schließlich sollten für Sonderangebote, Give-Aways etc. genutzt werden.

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