23. Okt 2020

Das „Flex-Haus“: flexibles Arbeiten bei der Deutschen Bahn

Alle reden über flexible Arbeitsmodelle wie Co-Working oder Desk-Sharing. Doch wie lässt sich ein solches Bürokonzept erfolgreich umsetzen? Ein Interview mit Christof Nellehsen vom Architekturbüro aib über die Planung der Office-Welt für das erste „Flex-Haus“ der Deutschen Bahn. Gemeinsam mit dem Projektteam DB Immobilien wurde eine Arbeitswelt realisiert, die Mobilität, Flexibilität und Kreativität in den Mittelpunkt stellt. Desk-Sharing und unterschiedliche Raummodule ermöglichen den Mitarbeitern ein örtlich und zeitlich flexibles Arbeiten an wechselnden Orten im Gebäude.

Herr Nellehsen, im neuen Verwaltungsbau „Lister Dreieck“ in Hannover wurden verschiedene Standorte und diverse Konzernunternehmen der Deutschen Bahn zusammengeführt. Gleichzeitig sollte dort eine offene und flexible Bürowelt entstehen. Worin bestand die größte Herausforderung im Planungsprozess? 

Eine der größten Herausforderungen bestand darin, ein Gestaltungskonzept für das Gebäude zu entwickeln, das dennoch der großen Anzahl von Mitarbeitern aus zwölf verschiedenen Konzernunternehmen gerecht wird. Dabei sollten gezielte Abfragen auf Mitarbeiterebene durchgeführt werden.

Im Sinne eines Multiple-Choice-Verfahren haben wir Abfragekataloge erstellt, die von den Planungsbeauftragten in ihren Abteilungen verteilt und durch den Einzelnen ausgefüllt wurden. So konnte nahezu jeder Mitarbeiter in den Planungsprozess einbezogen werden. 

Lister Dreieck, Hannover: Atrium mit Aufenthalts- und Wartebereich. © aib GmbH/Markus Heinbach

Wie sind Sie bei der konkreten Planung vorgegangen? 

Gemeinsam mit den Planungsbeauftragten der einzelnen Konzernunternehmen haben wir uns auf eine kollaborative „Lernreise" begeben. Basierend auf unserer langjährigen Praxiserfahrung konnten wir die Teams durch gezielte Impulse und kreative Workshop-Methoden darin unterstützen, eine Bedarfsanalyse pro Raummodul zu erstellen und konkrete Ergebnisse zur Gestaltung einer gelungenen Arbeitswelt festzuhalten. Auf diese Grundlage konnten wir unsere Planung maßgeschneidert aufsetzten. 

Welche Vorteile hatte dieser Planungsansatz? 

In der direkten Zusammenarbeit mit den Nutzern ergab sich für uns die Chance, Anforderungen, Bedürfnisse und Ideen ungefiltert und bedarfsorientiert abfragen zu können. Damit konnten wir einen passgenauen Entwurf und ein individuelles Gestaltungskonzept erarbeiten, was wiederum die Akzeptanz für die neue Arbeitswelt und die Identifikation mit dem Unternehmen erhöht. 

Lister Dreieck, Hannover: Multifunktionale Experimentierfläche für vielfältige Anwendungen. © Roland Halbe

Wie hat sich bei der Realisierung des Bürokonzeptes die Zusammenarbeit mit anderen Gewerken gestaltet? 

Unser Planungsbüro hat die DB nicht nur im Hinblick auf die Innenarchitektur unterstützt. Als Mietervertreter haben wir auch eine bautechnische Beratung durchgeführt. Dadurch konnten wir direkt die Schnittstelle zwischen Innenarchitektur und Bauprojekt besetzen. Die Ausführung der erforderlichen Innenausbaumaßnahmen, die durch den Vermieter durchgeführt wurden, konnten so von uns ebenfalls begleitet werden.

Der umfassende Beratungsansatz hat uns auch in der terminlich schwierigen Phase der Einmöblierung und des Bezugs vor Ort geholfen. So konnten wir übergreifend die Koordination der Gewerke übernehmen und alle Abstimmungsprozesse begleiten. 

Wie flexibel ist das Bürokonzept auch im Hinblick auf die neuen Raum- und Arbeitsanforderungen in der Corona-Pandemie? 

Christof Nellehsen ist Architekt und Stadtplaner und Partner beim Duisburger Architekturbüro aib.Ein modernes Unternehmen, das bereits ein umfangreiches Angebot an Flexibilisierung der Arbeit für die Mitarbeiter bereithielt, konnte schnell und erfolgreich auf die besondere Lage reagieren. Die Vielzahl an besonderen Arbeitsmöglichkeiten in diesem Projekt schafft viele Optionen, die notwendigen Abstandsregeln einzuhalten. Insbesondere die Großzügigkeit des Atriums, in dem sich ebenfalls Möglichkeiten für Einzel- und Teamarbeit befinden, kann sich in diesen Zeiten bewähren. 

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