Mobile Payment

Kartenzahlung wird noch beliebter

Deutsche Verbraucher zahlen im Einzelhandel weiter am liebsten mit Karte. Die steigende Popularität bietet Chancen für Innovationen wie biometrischer Erkennung, hat aber auch ihre Schattenseiten.

06. Jun 2022

Der Kunde winkt und lächelt in die Kamera – und schon ist der Einkauf bezahlt. Was nach Science-Fiction klingt, ist in einigen Supermärkten in der brasilianischen Stadt São Paulo bereits Realität. Dort müssen die Besitzer von Mastercard-Kreditkarten dank biometrischer Erkennung einfach nur ihr Gesicht in eine Kamera zu halten und schon werden sie als zahlende Kundschaft akzeptiert. 

Die Karte selbst können sie getrost steckenlassen. Noch handelt es sich dabei um ein Versuchsprojekt von Mastercard, das unter anderem die Akzeptanz bei Verbrauchern und die technologische Machbarkeit ausloten soll. Es braucht jedenfalls eine Bereitschaft des Kunden, zumal dessen biometrischen Daten beim Händler hinterlegt werden müssen. 

Diese Bezahlmethode mag ungewöhnlich sein, ist aber dennoch typisch für den rasanten Umbruch beim Bezahlen, der weltweit zu beobachten ist und durch die Corona-Pandemie vorangetrieben wurde. Bargeldloses Zahlen ist inzwischen quer durch alle Branchen und Regionen unverzichtbar geworden.

Wegen der Hygienevorschriften während Covid-19 wurden die Konsumenten ja angehalten, besser keine Münzen und Scheine in die Hand zu nehmen, sondern mit Karte, Smartphone oder Smartwatch zu bezahlen.  

Die Verfügbarkeit von Kartenterminals ist inzwischen auch für kleinere Händler unverzichtbar geworden. © Unsplash/Clay Banks

Girocard boomt, Bargeld schrumpft 

Und der Trend ist auch nach dem Ende der meisten Coronabeschränkungen nicht länger aufzuhalten. Das beweisen die jüngsten Zahlen zu den Zahlungssystemen im deutschen Einzelhandel, die vom EHI (Forschungs- und Bildungsinstitut für den Handel) erhoben wurden.

Demnach ist der Anteil der Kartenzahlungen am Umsatz in den vergangenen beiden Jahren von etwas mehr als 50 Prozent auf knapp 59 Prozent gestiegen; bei den Transaktionen kommen Karten inzwischen auf einen Anteil von knapp 38 Prozent (davor circa 26 Prozent); dabei ist die Girocard die Nummer eins. 

Hingegen verliert das Bargeld weiter an Bedeutung: Im deutschen Einzelhandel kommt Cash nur noch auf einen Umsatzanteil von etwas mehr als 38 Prozent. Das liegt nicht nur an der erwähnten Hygiene, sondern vor allem an der Geschwindigkeit: Eine Karte vor das Terminal zu halten ist eben deutlich schneller als nach Scheinen und Münzen suchen zu müssen. Zumal die früheren Bedenken gegenüber kontaktlosem Bezahlen (Stichwort NFC) inzwischen beinahe zur Gänze ausgeräumt sind.

Das Bezahlen mit Smartphone und App wird weiter an Bedeutung gewinnen. © Unsplash/naipo

Debatte um die Girocard 

Händler, so die Erkenntnis aus den jüngsten Statistiken zu den liebsten Bezahlmethoden, müssen also flexibel bleiben. Sich auf eine einzige Methode zu verlassen, kann bisweilen nämlich auch seine Tücken haben.

So kam es kürzlich in ganz Deutschland zu Problemen mit der Kartenzahlung in bestimmten Einzelhandelsgeschäften: Zahlungsterminals für Giro- und Kreditkarten waren wegen eines Softwarefehlers ausgefallen. In Supermärkten und Drogeriegeschäften mussten Kunden daher erst recht zum Bargeld greifen. 

Das Problem konnte letztlich rasch gelöst werden, verärgerte Kunden ließen sich dennoch nicht vermeiden. Nicht nur solche Beispiele zeigen, dass die Abschaffung von Bargeld derzeit nicht realistisch erscheint, zumal es auch politisch kein Thema ist.

Es wird zudem immer Kundengruppen geben, die weiterhin „echte“ Euros in der Hand halten möchten statt einer Karte. In diesem Zusammenhang bleibt abzuwarten, wie sich der erwartete Umbruch bei den Banken auswirken wird: Etliche wollen nämlich laut Medienberichten von der Girocard abrücken, um etwa Debitkarten in den Fokus zu rücken. 

Denkbar ist, dass Banken die derzeit beliebten Girocards dann nur noch gegen Gebühren anbieten, eine Debitkarte hingegen kostenlos wäre. Entsprechend müsste auch der Möbelhandel für diese Entwicklung bereit sein; dazu kommt noch die steigende Bedeutung von Multi-Channel-Konzepten (Kombination aus stationärem Handel und Onlinegeschäft) – im Internet kann ja nur mit Karte oder Bezahlmethoden wie PayPal eingekauft werden.  

Innovationen wie das biometrische Bezahlen in Brasilien werden – entsprechende Akzeptanz bei der jeweiligen Zielgruppe vorausgesetzt – also wichtiger. Ebenso wichtig, meinen Experten, bleibt aber eine Auswahl an verschiedenen Bezahlmethoden.

Schließlich sind technische Probleme auch in Zukunft nicht auszuschließen und die Bereitschaft der Konsumenten, Verzögerungen hinzunehmen, ist deutlich gesunken. Beim Bezahlen sind Bequemlichkeit und Geschwindigkeit inzwischen die wichtigsten Parameter.  

Autor: Robert Prazak 

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