Neue Initiative

Klimaschutz im Fokus

Klimaschutzmaßnahmen gewinnen in der Möbelbranche an Bedeutung. Eine neue Initiative soll dem Rechnung tragen. Johannes Schwörer, Präsident des Hauptverband der Deutschen Holzindustrie, erklärt im Interview die Ziele der Initative.

11. Aug 2021

Die Klimakrise wird uns – im Gegensatz zu anderen Krisen – noch viele Jahre beschäftigen, denn der Klimawandel verändert das Leben auf unserem Planeten. Daher gewinnen konkrete Maßnahmen für den Klimaschutz für die Wirtschaft an Bedeutung. Auch die Möbelbranche stellt sich längst den Herausforderungen, mal offensiver, mal eher zurückhaltend.  

Die Palette der Möglichkeiten ist groß und reicht von der Nutzung wiederverwertbarer, ökologisch einwandfreier Materialien über Energiesparprogramme bei der Produktion bis zu umweltfreundlichen Transporten. Die Stakeholder fordern immer öfter Beweise für solche Maßnahmen, mit Slogans ist es nicht mehr getan. Klimaschutz-Audits werden zum Standard und sollen für Vergleichbarkeit sorgen.   

Gütesiegel sind gefragt 

Seitens der Konsumenten steigt einerseits die Nachfrage nach entsprechenden Gütesiegeln, andererseits tun sich viele beim Wildwuchs an Umwelt-Siegeln verschiedener Sparten und Anbieter schwer bei der Beurteilung. Eine rechtlich einheitliche Kennzeichnung für nachhaltige Produkte beziehungsweise Dienstleistungen gibt es noch nicht.

Allerdings gibt es anerkannte Testsiegel in Deutschland für Möbel wie den „Blauen Engel“, „Öko Control“ (Verband ökologischer Einrichtungshäuser) oder das „Goldene M“ von der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel (DGM), das unter anderem auf regelmäßige Schadstoffüberprüfung hinweist.

Von der DGM stammt auch das Gütesiegel „Klimaneutraler Möbelhersteller“, das sich immer mehr Unternehmen anheften dürfen – zuletzt kamen etwa Maja Möbel aus Kasendorf und RUF Betten dazu. Bekannt ist auch das FSC-Siegel für Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft (Forest Stewardship Council).

Interview mit Johannes Schwörer 

Der Hauptverband der Deutschen Holzindustrie, der sich aus Regionalverbänden und aus Fachverbänden wie dem Verband der Deutschen Möbelindustrie zusammensetzt, wiederum hat eine Brancheninitiative namens „Klimaschutz Holzindustrie“ lanciert. Damit soll dieser Industriezweig zu einem der ersten klimaneutralen Bereiche der deutschen Wirtschaft werden. ambista hat mit HDH-Präsident Johannes Schwörer, Geschäftsführer der Schwörer-Haus KG, über die Initiative gesprochen. 

ambista: Herr Schwörer, was war die Motivation für diese Brancheninitiative? 

Johannes Schwörer: Wir haben im Hauptverband festgestellt, dass für den Klimaschutz zwar schon einiges getan wird, aber die Basis noch verbessert werden kann. Wir als Holzindustrie sind ja auch betroffen vom Klimawandel. Aber es besteht die Gefahr, dass wir das Thema verschlafen, das darf nicht passieren.

Die Holzindustrie selbst ist ja prinzipiell in dieser Hinsicht schon relativ gut, weil wir Material verwenden, das CO2 bindet. Allerdings ist das noch nicht allen Betrieben wirklich bewusst, daher wollen wir das Bewusstsein dafür erzeugen und auch aufzeigen, welche Möglichkeiten zur Reduktion der CO2-Emissionen in den Betrieben selbst vorhanden sind, etwa beim Erzeugen von Strom oder bei den Transporten. 

Was ist das Ziel der Initiative, was wollen Sie erreichen? 

Die Idee ist, die Betriebe CO2-neutral zu stellen. Doch zunächst muss man wissen, wo und wie es überhaupt ausgestoßen wird, das ist die Grundlage. Als Zwischenschritt zur CO2-Neutralität können sich Betriebe an der Kompensation beteiligen, die EU zertifiziert ja solche Projekte. 

Und wie soll das konkret umgesetzt werden? 

Das erste Ziel der Initiative ist, dass sich möglichst viele Betriebe anschließen und die Kommunikation ausgebaut wird. In weiterer Folge wollen wir dafür sorgen, dass es alle Betriebe umsetzen. Jede Tonne CO2, die wir einsparen, hilft. Denn wenn wir die Klimaschutzziele erreichen wollen, müssen viele Betriebe und Privathaushalte etwas machen. Und man muss das Konkurrenzdenken hinter sich lassen. Die Klimakatastrophe betrifft ja alle. 

Was machen Sie selbst in Ihrem Unternehmen für den Klimaschutz? 

Mein Unternehmen hat den CO2-Ausstoß erfasst und leistet dafür Kompensation. Aber das Ziel ist natürlich, durch klare Vorgaben unseren CO2-Ausstoß zu reduzieren. Und nach einer gewissen Zeit wollen wir CO2-neutral sein. 

Geschieht das aus eigener Überzeugung oder weil es der Markt verlangt? 

Es ist besser, sich aus eigener Überzeugung im Klimaschutz zu engagieren und nicht, weil es der Markt erwartet und es aus Zwang geschieht. Als Unternehmen hat man die Chance, etwas Vernünftiges zu erreichen, das über Umsatz und ordentliche Bezahlung der Mitarbeiter hinausgeht. 

Und was erwarten die Kunden? 

Die Kunden achten schon stärker auf Klimaschutzmaßnahmen, sie interessieren sich dafür, was die Firmen konkret dafür tun. Blumige Marketingaussagen alleine sind heute zu wenig, dafür gibt es ja Zertifizierungsprozesse. 

Aber Klimaschutz verlangt zunächst Investitionen, oder? 

Eine Umstellung klappt nicht von heute auf morgen und es muss auch investiert werden, denken wir nur an den innerbetrieblichen Fuhrpark.

Auch Kreislaufwirtschaft und Wiederverwertung sind Themen beim Klimaschutz. Was meinen Sie dazu? 

Wenn heute Produkte hergestellt werden, sollten diese nicht mit chemischen Farben verunreinigt werden, sodass diese nach 20 Jahren nicht wiederverwendbar sind. Wir haben heute das Problem, dass man sich in den 1970er und -80ern noch keine Gedanken über solche Themen gemacht hat und daher vieles nicht wiederverwertbar ist. Heute ist das unter anderem wegen wasserlöslicher Farben viel besser. 

Johannes Schwörer: „Die Klimakatastrophe betrifft alle.“ (Bild: beigestellt) 

Autor: Robert Prazak

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