28. Okt 2020

Kretho: Produktentwicklung mit der Community

Bereits seit einigen Jahren nutzen Unternehmen die Unterstützung ihrer Fans, die in Communities bestehende Produkte weiterentwickeln oder neu hervorbringen. Involvement lautet das Stichwort. Kretho (Klöber) zeigt, wie das gehen kann.

Was bei internationalen Playern schon lange gang und gebe ist, kommt auch langsam in der Möbelbranche an: Kretho, die Marke des Sitzmöbelspezialisten Klöber, entwickelt jetzt im Miteinander mit ihren Followern vielseitig einsetzbare Möbel und Accessoires zum Wohnen und Arbeiten.  

Community-geprüft 

Der Kunde entscheidet – aber nicht immer erst am Point of Sale. Um böse Überraschungen bei der Markteinführung von neuen Produkten zu vermeiden, schließen immer mehr Unternehmen ihre Follower bereits bei der Produktentwicklung mit ein.  

Das hat in der Regel zwei Vorteile: Die Kunden reagieren oft sehr positiv, wenn sie sich kreativ einbringen und ihre Meinung frei sagen dürfen und das Risiko eines Flops wird minimiert. In Communities werden heute Ideen hin und her gewälzt, neue Produkt-Features diskutiert und kritisch hinterfragt.

Internationale Marken wie Procter & Gamble haben dieses Potential vor Jahren erkannt und nutzen es: Im „Pampers Village“ tauschen sich beispielsweise Mütter und Väter über ihre Erfahrungen mit Windeln und Babypuder aus. Das Unternehmen liest mit und reagiert auf die Bedürfnisse der Eltern mit den passenden Produkten. 

Während andere Branchen das Potential des Austausches mit ihren Followern bereits nachhaltig nutzen, öffnet sich die Möbelbranche erst langsam für diesen Prozess. Die Marke Kretho hat jetzt einen Feldversuch gestartet: Ein Produkt-Launch in Zusammenarbeit mit der eigenen Community.  

Der jungen Marke war von Anfang an klar, dass - wenn man Produkte für agiles Arbeiten entwickeln will - der Austausch mit dem Kunden ausschlaggebend ist. Bei neuen Arbeitsformen arbeitet man nicht immer am gleichen Platz. Räume müssen sich ständig neuen Situationen anpassen und wechselnden Anforderungen gerecht werden.

In einem Moment arbeitet man als Team an einen großen Tisch zusammen, im nächsten Augenblick braucht man schnell einen Rückzugort für ein wichtiges Telefonat. Um genau diese Anforderungen an ein Sitzmöbel richtig zu definieren, kam bei Kretho die Community ins Spiel.

Gemeinsam mit ihrer Fan-Community hat Kretho den flexiblen, nachhaltigen Hocker „Take o Seat“ designt. © Kretho/ Klöber

Hackathon – ein Hotspot für Ideen 

Um in den direkten Austausch mit ihrer Community zu gelangen, veranstaltet Kretho im November seinen ersten Hackathon in Hannover. „Dieser Hackathon gibt uns die Möglichkeit, einzigartige Ideen zu generieren, die sonst vermutlich im Verborgenen geblieben wären,“ erklärt Hendrik Kreft, Head of New Business bei Klöber.

„Dabei entstehen sicher auch unkonventionelle Produkte, an die sich zuvor niemand herangetraut hätte.“ Ursprünglich wollte das Team von Kretho eine praktische Sitzgelegenheit entwerfen, die agiles, dynamisches Arbeiten ermöglicht. Entstanden ist dabei der Hocker „Take o Seat“, der im September auf den Markt gekommen ist.

Das Besondere: Die Sitzgelegenheit lässt sich falten, platzsparend verstauen und bei Bedarf mit wenigen Handgriffen wieder aufstellen. Dank der Filzoberfläche ist das Möbelstück darüber hinaus äußerst bequem. 

„Wer im Büro arbeitet, kennt das Problem: In einem Moment muss man an einer kurzen Präsentation teilnehmen, dann benötigt man zusätzliche Sitzplätze für Besucher oder man möchte sich schnell zu einem Kollegen an den Arbeitsplatz setzen, um über ein aktuelles Thema zu sprechen,“ erläutert Produktdesigner Konstantin Thomas.

„Im nächsten Moment sucht man aber vielleicht schon wieder ein ruhiges Eckchen, um konzentriert allein arbeiten zu können. Der faltbare Hocker reagiert spontan auf neue Raumstrukturen und findet daher in all diesen Situationen Anwendung.“ 

Nachhaltig, praktisch und kundennah 

„Take o Seat“ ist aber nicht nur flexibel, sondern auch nachhaltig. Der Hocker wurde aus recyceltem PET-Filz hergestellt. „Angesichts vermüllter Weltmeere wollten wir einen neuen Weg einschlagen und einen Beitrag zur Abfall- und Plastikmüllreduktion leisten“, sagt Klöber-Geschäftsführer Ralf Johow.

„Deshalb haben wir im Sommer 2019 ein internes interdisziplinäres Team beauftragt, neue Produkte aus Formfilz zu entwickeln.“ Dabei handelt es sich um ein Material, das zu 100 Prozent recycelbar ist und aus alten PET-Flaschen gewonnen wird. „Als wir festgestellt haben, wie flexibel und vielseitig Filz ist, wollten wir eine Marke aufbauen, die zukunftsträchtige Möbel aus ressourcenschonenden Materialien fertigt. Das Ergebnis heißt Kretho.“ 

Hendrik Kreft ist seit Juni 2019 bei Klöber beschäftigt und verantwortlich für die Marke Kretho, die im August 2020 gelauncht wurde. © Kretho/ Klöber

Wie die junge Marke durch ihre Fans die Anforderungen an ihre Produkte besser definieren will, erklärt Hendrik Kreft, Head of New Business bei Klöber, in unserem Interview. 

Bei dem Launch der Marke Kretho verfolgt ihr einen neuen Marketing-Ansatz: Ihr bindet von Anfang an eure Community bei der Gestaltung der Produkte mit ein. Was steckt dahin? 

Wir handeln nach dem Credo: „Kretho ist nicht unsere Marke, sondern Eure Marke“ und wollen gemeinsam mit, nah an und für unserer Community Produkte entwickeln. Bei der Entwicklung neuer Einrichtungselemente für die Wohn- und Arbeitswelt setzen wir auf die Lebendigkeit und Dynamik direkt aus dem Leben. Die besten Ideen entstehen schließlich nicht an einem Einzelarbeitsplatz im Büro, sondern im anwendungsorientierten Austausch. 

Wie gestaltet ihr diesen Prozess mit eurer Community und wie gelingt euch ein intensiver Austausch mit euren Followern? 

Wir haben kürzlich unsere Social-Media-Kanäle geöffnet, bauen unsere Community nun Schritt für Schritt auf und planen den direkten Austausch mit unseren Followern auf einer freundschaftlichen und kooperativen Basis. Themen wie Materialität, Farbgebung oder Produktideen sollen offen und gemeinsam diskutiert werden.

Auch öffnen wir uns für externe Produktideen und Kooperationen in alle Richtungen. Außerdem planen wir noch einige unkonventionelle Vermarktungsansätze… aber wir möchten noch nicht zu viel verraten… Folgt uns doch einfach und lasst Euch überraschen … 

Im November veranstaltet ihr auch den ersten Hackathon im Hannover: Was versprecht ihr euch von der Community-Veranstaltung? 

Unser Hackathon soll der Auftakt zu einer gesamten Veranstaltungsreihe sein. Wir konnten den Hafven Hannover als Partner gewinnen – ein Hybrid aus Maker- und Coworking Space und gleichzeitig eine der größten Innovation-Communities in Deutschland. 

Die Veranstaltung wird zwei Tage umfassen. Wir werden 30 Hafven-Mitglieder für diese Veranstaltung einladen. In 5 interdisziplinären Teams werden am ersten Tag Produktideen für das Leben und Arbeiten von morgen entwickelt. Nach einem Online-Voting innerhalb unserer Community, wird am zweiten Tag jedes Team einen benutzbaren Prototypen in der offenen Werkstatt des Hafvens entwickeln.

Die beste Idee wird natürlich mit einem attraktiven Preis gekürt. Die Teams werden hierbei von unserem Coach Pedro Pineda vom Makerspace TMDC aus Barcelona unterstützt. Zudem planen wir noch eine spannende Keynote zum Thema „Möbel in AR und der Trend der digitalen Individualisierung“ von Jens Thiemann, dem Geschäftsführer von VRTX. 

Was wir uns von der Veranstaltung versprechen: Was kommt dabei heraus, wenn sich Querdenker unterschiedlicher Disziplinen mit spannenden Themen in einer hochinnovativen Atmosphäre beschäftigen? Jede Menge Spaß für alle Beteiligte und großartige Ideen.

Autorin: Bernadette Trepte

Schreiben Sie den ersten Kommentar
Weitere Artikel
Alle zeigen