04. Nov 2020

Logistik meets Daten: Zusammenarbeit zwischen Branchen

Der Bundesverband Möbelspedition und Logistik e.V. (AMÖ) und das Daten Competence Center e.V. (DCC) arbeiten bereits seit längerem im Rahmen der Zukunftsinitiative Möbellogistik zusammen. Mit der neuen Cross-Mitgliedschaft der Organisationen wollen sie ihre Aktivitäten für einen Dialog von Möbelindustrie, Möbelhandel und Möbellogistikern enger zu verzahnen.

Was die Zusammenarbeit für die Möbellogistik bedeutet und wie die Digitalisierung die Branche verändert hat, erklärt Dierk Hochgesang, Hauptgeschäftsführer des Bundesverband Möbelspedition und Logistik e.V. (AMÖ), in unserem Interview.

Der Bundesverband Möbelspedition und Logistik e.V. (AMÖ) ist Stimme und Sprachrohr der Möbellogistik in Deutschland. Herr Hochgesang, wie hat sich die Branche in den letzten Jahren aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung verändert? Wie hoch ist der Automatisierungsgrad in der deutschen Möbellogistik heute? 

Die Digitalisierung hat in der Möbellogistik vor allem die Prozesse maßgeblich verändert. Beladungszusammenstellungen, Tourenplanungen, Kommunikation mit Verladern und Warenempfängern, Avisierungen waren in der (gar nicht so weit entfernten) Vergangenheit Kopfarbeit in der Disposition. Diese Prozesse laufen heute weitgehend EDV-gesteuert im Hintergrund.

Da auch heute noch die Systeme bei Problemen oder Regelabweichungen nicht automatisiert aushelfen können, bleibt die „Kopfarbeit“ in den Schaltstellen dennoch unverzichtbar. Der Transport als solcher, Be- und Entladearbeit, Belabelung, etc, sind allerdings auch heute noch ganz normale, analoge Arbeiten, auch wenn die Geräte moderner und leistungsfähiger geworden sind. Das gilt aber auch für das Gut, um das es geht, das Möbel. 

Die Digitalisierung treibt auch den Wunsch des Kunden an, Möbel vermehrt online zu kaufen. Nicht selten stehen dabei die neuen Logistikanforderungen des E-Commerce mit altbekannten Herausforderungen wie dem allgemeinen Personalmangel im Konflikt. Wie geht die Branche diese Problemstellung an?  

Den Personalmangel bei den Logistikdienstleistern sehen wir in Fragen der Logistikanforderungen durch E-Commerce als das geringere Problem. Bei einer Verschiebung des Marktes wird dieser nicht automatisch größer, sondern es wird dadurch perspektivisch möglicherweise weniger Personal für die Möbelauslieferung im stationären Handel benötigt, dafür mehr Personal für die Distribution durch die Logistiker in den Regionen.

Also perspektivisch eher mehr handwerklich gut geschulte Monteure als Fahrpersonal. Die Erfahrung zeigt, dass diese Herausforderung lösbar ist. Erforderlich sind aber Strategien, die die Vermarktung von Mobiliar über das Internet ermöglichen und für den Kunden attraktiv machen. Und dem Kunden muss dann die transparente Information über seine Bestellung und den Stand der Bearbeitung beziehungsweise der Zustellung geboten werden, die er von anderen Warengruppen kennt.

Dazu bedarf es neben dem üblichen, gut organisierten Webshop vor allem exakter Daten und präziser Datenkommunikation über standardisierte Schnittstellen mit der Logistik. Auf diesem Feld besteht sicher noch Verbesserungspotenzial bei vielen Beteiligten. 

Der Bundesverband Möbelspedition und Logistik e.V. (AMÖ) und das Daten Competence Center e.V. (DCC) haben zuletzt eine Cross-Mitgliedschaft vereinbart. Was bedeutet das für die Möbellogistik? 

Mit der vertieften Zusammenarbeit über die Branchen hinweg wollen wir vor allem zu gemeinsam erarbeiteten Standards bei der Definition von Daten und der Schnittstellen kommen. Da im DCC hierzu bereits umfangreiche Erfahrungen vorliegen, ist das DCC die dafür geeignete Organisation. In der Folge sollte es gelingen, die bereits digitalen Prozesse zu vertiefen und vor allem die noch zu digitalisierenden Prozesse schneller und kooperativ umzusetzen.

Damit könnten auch die Probleme der analogen Schnittstellen, insbesondere an der Rampe, besser und effizienter gestaltet werden. Wir erwarten uns davon integrierte und damit wesentlich schnellere Prozesse, sinkende Reklamationsquoten, bessere Fahrzeug- und gleichmäßigere Personalauslastungen, präzisere Avisierungsmöglichkeiten, präzisere Steuerungsmöglichkeiten bei der Warenannahme und die bessere Möglichkeit für Cross-docking-Prozesse mit einer Entlastung von Lagerkapazitäten im Handel. 

Die Corona-Krise hat viele Branchen und Industriezweige hart getroffen. Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf die Möbellogistik?  

Auch die Möbellogistik war von der Corona-Pandemie betroffen. Insbesondere die Streckenspediteure hatten durch die unkoordinierte Schließung von Verladern und Entladestellen, der temporären Schließung der Grenzen, dem vorübergehenden Einbruch der Volumina im stationären Handel, Auflagen im Arbeitsschutz, und der allgemeinen Verunsicherung der Mitarbeiter komplexe Problemfelder zu bewältigen.

Die teilweise Einführung von Kurzarbeit hat geholfen, die Mitarbeiter in den Betrieben weiterbeschäftigen zu können. Deutlich geringere Sendungsvolumina pro Entladestelle, längere Transportwege und die Umsetzung der zahlreichen Auflagen haben sich allerdings massiv negativ auf die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen ausgewirkt.  

In der Distributionslogistik mussten dagegen erhebliche Zuwächse verarbeitet werden. Durch die nicht zu erwartenden Zuwächse sind insbesondere die Logistikflächen, aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die Kapazitätsgrenzen und darüber hinausgekommen. 

In der Folge erwarten wir aufgrund der in diesem Jahr eingeschränkten Neigungen und Möglichkeiten zu Urlaubsreisen zumindest kurzfristig wieder eine Stabilisierung des stationären Handels und damit auch der Auslastung der Industrie und der Logistikkapazitäten. Mittel- und langfristig erwarten wir allerdings eine weitere Zunahme des Online-Geschäftes und damit eine weitere Verschiebung auch in der Logistik

© Bundesverband Möbelspedition und Logistik e.V.Dierk Hochgesang, Hauptgeschäftsführer der Branchenorganisation, will durch die eng verzahnt Zusammenarbeit vor allem zu gemeinsam erarbeiteten Standards bei der Definition von Daten und der Schnittstellen kommen. 

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