Montageanleitung auf dem Headset

Mixed Reality wird für die Möbelbranche interessant

Das Dortmunder Unternehmen adesso mobile zeigt in einem Projekt, welche Rolle der Einsatz von Mixed Reality für die Möbelindustrie haben kann. Montageanleitungen sind hier nur ein Beispiel. Neben der Technologie kommt es aber vor allem auf die richtige Herangehensweise an.  

21. Sep 2021

Wo sollen welche Schrauben eingesetzt werden, wie wird die Rückwand am Schrank befestigt, wofür soll ich den Hammer verwenden? Wenn man ein Möbelstück anhand der Bedienungsanleitung zusammenbauen möchte, kann es rasch mal unübersichtlich werden. Wie das in Zukunft viel einfacher gehen könnte, zeigt nun die Dortmunder adesso mobile in einer Machbarkeitsstudie: Dabei wurde Mixed Reality (MR) verwendet, um dreidimensionale Inhalte mit der realen Umgebung zu verbinden.

Konkret wird die Montageanleitung auf ein Headset gebracht, die Anwender sehen die interaktiven Angaben für den Zusammenbau des Möbelstück sozusagen direkt vor ihren Augen in einer realen Umgebung, also etwa in ihrem Wohnzimmer. Statt sich mit Anleitungen aus Papier zu mühen, werden die nötigen Arbeitsschritte interaktiv dargestellt. 

Florian Bliesch, Head of Consulting bei adesso mobile, ist für das Projekt verantwortlich. „Es gab durchaus einige Herausforderungen, wie es im Umgang mit brandneuer Technologie auch zu erwarten ist, aber die Praxistauglichkeit hat sich ganz klar herausgestellt.“ Aus Usability-Sicht spannend sei vor allem das Hands-Free-Szenario, die Anwendung kann komplett mit Hilfe der Augen bedient werden, um die Hände für das echte Werkzeug frei zu haben.

Die MR-Montageanleitung zeigt, welche Rolle solche Anwendungen in Zukunft spielen könnten. „Wir schaffen mit der Verbindung von physischen Dingen und digitalen Informationen einen echten Mehrwert für den Kunden und führen die analoge mit der digitalen Welt zusammen,“ erläutert Bliesch. 

Wird die virtuelle Anleitung mittels Headset genutzt, bleiben die Hände frei. Bild: adesso mobile / beigestellt)

Mixed Reality und Virtual Reality 

Was bedeutet überhaupt Mixed Reality (MR)? Es ist die Verbindung aus realen und computergesteuerten Inhalten, eine feinere Unterscheidung gibt es dabei noch zwischen Augmented Reality (virtuelle Inhalte in einer realen Welt) und Augmented Virtuality (echte Inhalte in einer computergesteuerten Umgebung). Hingegen ist Virtual Reality (VR) eine vollständig computergenerierte Umgebung ohne reale Elemente.  

Diese Technologien erleben einen enormen Schub – und zwar auch abseits von bekannten Anwendungen wie im Gaming. Es sind nach Ansicht von Bliesch zwei Faktoren, die Augmented Reality und Mixed Reality nun antreiben: „Auf der einen Seite die Weiterentwicklung und Verfügbarkeit der Technologie – wobei für die Nutzung von MR-Anwendungen nicht unbedingt Headsets nötig sind, vieles funktioniert auch schon mit den aktuellen Smartphones.“ Der zweite Grund ist die soziokulturelle Entwicklung, also die höhere Bereitschaft, sich mit Digitalisierungsthemen auseinanderzusetzen. „Diese Offenheit und der Technikschub bringen das Thema in die Breite.“ 

Dazu kommt ein weiterer wichtiger Punkt: Die großen Player sind in dieser Hinsicht sehr engagiert, etwa Facebook mit der Oculus Quest. „Auch der erwartete Markteintritt von Apple wird viel bewegen, das könnte schon 2022 passieren“, sagt Bliesch. Ein wichtiges Thema ist darüber hinaus 5G, dadurch werden die nötige Bandbreite und niedrige Latenzzeiten für hochwertige Mixed Reality-Anwendungen garantiert. „Und die großen Mobilfunkbetreiber brauchen besonders im Endverbraucher-Markt konkrete Anwendungsfälle für 5G und pushen aus diesem Grund AR und MR.“ 

Was bringt das für den Möbelhandel? 

Nicht nur für Montageanleitungen als Ergänzung beziehungsweise sogar Ersatz für schriftliche Anleitungen ist Mixed Reality interessant. „Möglich ist auch ein Einsatz im stationären Möbelhandel“, erläutert Bliesch. So könnte eine neue Büroausstattung anhand der realen Grundrisse in einer Filiale virtuell angesehen werden oder komplexe Produktvarianten können anschaulich präsentiert und konfiguriert werden.

Technologie ist dabei aber nicht alles. Für den konkreten Einsatz komme es auf maximale Transparenz gegenüber den Kunden an, warnt Bliesch: „Was machen die Geräte, wie gehen wir mit den Daten um?“ Zweitens müsse für die Kunden ein Mehrwert ersichtlich sein. „Technische Details interessieren niemanden, es muss klar sein, was ich als Kunde konkret davon habe.“ 

adesso mobile gehört zur adesso-Gruppe ist auf mobile Anwendungen spezialisiert. „Wir entwickeln Software, die sich an den konkreten Bedürfnissen der Industrie orientiert“, erklärt Bliesch. Daher suche man nach sinnvollen Möglichkeiten, aktuelle Hardware für einen professionellen Einsatz zu nutzen und entsprechende Use Cases umzusetzen. „Wir sehen dabei besonders in den Bereichen Wartung, Schulung, aber auch Sales und After-Sales viel Potential.“

Autor: Robert Prazak 

Florian Bliesch, Head of Consulting adesso mobile: „Es geht auch mit jedem Smartphone.“ Bild: adesso mobile / beigestellt

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