Modernes Recruiting

Talente und junge Arbeitskräfte gewinnen

Vor wenigen Jahren folgten auf Stellenausschreibungen unzählige Bewerbungen. Heute können sich insbesondere Fachkräfte aussuchen, wo sie arbeiten wollen und lassen sich gerne umwerben. Daher setzen immer mehr Personaler auf alternative Recruiting-Methoden, um Nachwuchs für Unternehmen zu gewinnen. Neue Medien – von Künstlicher Intelligenz bis zu Virtual Reality – spielen dabei eine immer größere Rolle.

15. Jul 2020

Unternehmen in der Möbelbranche suchen nach Nachwuchskräften. „Vor dem Hintergrund des wachsenden Onlinehandels ist in der deutschen Möbelindustrie derzeit vor allem die Nachfrage im Bereich Digitalisierung groß. Dabei geht es insbesondere um den E-Commerce, also etwa um Key-Account-Manager für den Onlinevertrieb, aber auch um Experten für die Digitalisierung von Prozessen insgesamt“, erklärt Christine Scharrenbroch vom Verband der Deutschen Möbelindustrie.

Diese sind in allen Branchen sehr gefragt und entsprechend schwer zu finden. Aber auch andere Berufszweige der Möbelindustrie haben es nicht leicht, weiß Scharrenbroch: „Zunehmend schwerer fällt es der Möbelindustrie, Ausbildungsplätze für technische Berufe zu besetzen. Dies betrifft etwa die Ausbildung zum Holzmechaniker.“  

Aber wie können dafür die größten Talente und besten Arbeitskräfte erkannt und gewonnen werden? Mit neuen Technologien, modernen wie lang bewährten Ansätzen. Dazu zählen technologiebasierte Strategien sowie Mitarbeiterempfehlungen.  

Mitarbeiter/innen als Scouts und Gradmesser 

Wenn Mitarbeiter/innen mit ihrem Unternehmen und ihrer Arbeit zufrieden sind, sind sie ideale Scouts: Sie können in ihren persönlichen Netzwerken Bekannte ansprechen, von denen sie meinen, dass sie ins Unternehmen passen. Häufig kennen gute Leute andere gute Leute und sparen durch ihre Empfehlung die kostenintensive Suche nach neuen Mitarbeitenden.

Ist die Suche erfolgreich, sollten Arbeitgeber Mitarbeitende, die Nachwuchskräfte ins Unternehmen holen, belohnen und ihnen beispielsweise einen Bonus zahlen. Ein unbezahlbarer Bonus durch die Recruitment-Methode „Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter“ geht nebenbei an die Arbeitgeber: motivierte Mitarbeitende, die sich geschätzt fühlen. Das ist Mitarbeiterbindung und -findung par excellence.  

Wie zufrieden die Angestellten eines Unternehmens sind, lässt sich übrigens auch mit neuen Technologien nachvollziehen. Auf Portalen wie Kununu bewerten Mitarbeiter/innen die Qualität der Führungskräfte in einem Unternehmen, die Aufgaben, Wertschätzung der Mitarbeitenden und die Atmosphäre.

Für Firmen, die guten Nachwuchs brauchen, ist es entscheidend, dass sie gut bewertet werden. Somit ist die Basis für neue Recruitment-Methoden eine alte: der gute Ruf. Nur wenn dieser stimmt, können junge Talente und wertvolle Mitarbeitende erfolgreich ins Unternehmen geholt und gehalten werden.  

Neue Medien und Technologien für die Personalgewinnung 

Neue Technologien helfen, Einstellungsverfahren effizienter zu gestalten und reduzieren somit Kosten, die durch Personalbeschaffung entstehen. So kann beispielsweise Künstliche Intelligenz (KI) Bewerbungen effektiv filtern und schnell passende Kanditat/innen finden – ganz unabhängig von den persönlichen Vorlieben der Abteilungsleiter/innen oder Personaler/innen.

Auch bei Vorstellungsgesprächen werden KI-basierte Programme eingesetzt. Sie analysieren Redeverhalten, Gesten und Mimik und treffen Vorhersagen, ob die Bewerber/innen zu den Mitarbeitenden im Unternehmen passt.  

Mit Virtual-Reality Brillen und Headsets können Bewerber/innen einen Einblick in Unternehmen, Aufgaben und Abläufe bekommen. © Laurens Derks / unsplash

Verspieltes Vorstellen und Kennenlernen 

Einige Firmen setzen bei der Personalauswahl „Virtual Reality“ (VR) ein und simulieren lebensnahe Situationen im Arbeitsumfeld. So können Bewerber/innen im Vorfeld sehen, ob die Arbeit und deren Umfeld zu den eigenen Vorstellungen passen.

Neu sind gamifizierte Ansätze wie Online-Spiele, in denen Kandidat/innen spezifische Kompetenzen, Soft Skills und Persönlichkeitsmerkmale spielerisch unter Beweis stellen können. In einem speziell für ein Unternehmen entwickelten Spiel lösen Interessierte Rätsel und Aufgaben und erfahren dabei viel über die Arbeitsweisen und Unternehmenskultur.  

Auch direkte Kontakte wie Vorstellungsgespräche lassen sich mit neuen Ideen und Technologien kreativ gestalten und sind oft aussagekräftiger als Gespräche und Abfragen von persönlichen Daten zu Ausbildung, Erfahrungen und Zukunftsperspektiven.

So können „Escape Rooms“ gestaltet werden, in denen Kandidat/innen Rätsel lösen oder Aufgaben aus dem zukünftigen Arbeitsbereich innerhalb einer gewissen Zeit erledigen müssen. Wie schnell und gut sie das tun, lässt verlässliche Rückschlüsse auf ihre Fähigkeiten im Bereich Problembewältigung und kreatives Denken zu. 

Alle diese neuen, alternativen Ansätze sind mit viel Arbeit, hohen Anforderungen an Kreativität und auch mit hohen Kosten für die Programmierung und/oder Vorbereitung verbunden. Kleinere Unternehmen können sie sich in der Regel nicht leisten.

Das bestätigt Christine Scharrenbroch vom Verband der Deutschen Möbelindustrie und berichtet, dass in der Möbelbranche gamifizierte Ansätze bislang gar nicht angewendet werden: „Für das Recruiting nutzen die Unternehmen Social-Media-Kanäle und Online-Stellenportale. Zudem sind viele Betriebe auf Jobbörsen/Ausbildungsmessen präsent, sie suchen Kontakt zu Schulen in ihrer Region und setzen das Instrument ‚Mitarbeiter werben Mitarbeiter’ ein.“  

Christine Scharrenbroch, Leiterin Kommunikation und Pressesprecherin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie e.V. (VDM) © VDM

 

 

 

 

 

 

 

 

Autorin: Christine Sommer-Guist

 

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