Innovativ und schnell nachwachsend

Möbel aus veganen Materialien

Leder aus Kaktus oder Einrichtungsgegenstände aus Pilzen: Die neuesten Materialentwicklungen sind nicht nur beeindruckend, sondern auch nachhaltig, da sie schnell nachwachsend sind. Wir stellen Ihnen hier innovative Produkte vor, die die Möbel-, Mode- und Automobilindustrie revolutionieren könnten. 

17. Feb 2020

Leder aus Kaktus 

Es sieht aus wie Leder und fühlt sich offenbar auch so an: Kaktusleder. Die Lederalternative mit dem Namen Desserto wurde von den mexikanischen Unternehmern Adrián López Velarde und Marte Cázarez entwickelt. Das Material wird vollständig aus Kaktusbäumen hergestellt und lässt sich in der Mode-, Möbel- und Automobilindustrie einsetzen. 

Um das innovative und vegane Produkt zu entwickeln, benötigen die beiden Gründer rund zwei Jahre. Im Oktober stellten sie es zum ersten Mal auf der „Lineapelle“ vor, der bedeutendsten Ledermesse in Italien. Dank seiner organischen Zusammensetzung ist das Material weich und eignet sich gut für die Verarbeitung. Außerdem ist es atmungsaktiv und lässt sich gut einfärben.  

Das Kaktusleder ist zum Teil biologisch abbaubar, schnell nachwachsend und soll mindestens zehn Jahre halten. Die tierfreie Alternative zu Leder könnte daher in Zukunft herkömmliche Materialien vom Markt verdrängen. 

Wie innovativ das Produkt ist zeigt auch die Nominierung für den Green Product Award 2020, der Neuentwicklungen auszeichnet die „herausragend in Design, Innovation und Nachhaltigkeit“ sind. Der Preis wird am 11. März 2020 im Rahmen der Internationalen Handwerksmesse in Leipzig auf dem Green Campus vergeben. Die Interzum, Weltleitmesse für Möbelfertigung und Innenausbau, ist Partner des Green Product Awards.

Leder aus Kaktus © Diego Lopez Velarde Olvera.

Lampenschirme aus Pilzen 

Der Designer Sebastian Cox hat sich auf die Entwicklung von  Möbeln  aus  Pilz-Myzel spezialisiert. Vor rund drei Jahren hatte der Brite in den Wäldern von Kent ein Material entdeckt, das zwei Haselnusszweige zusammenhielt. Der Möbelbauer kontaktierte daraufhin die Bristish Mycological Society, die ihn mit der Forscherin Minela Ivanova zusammenbrachte. Beide experimentieren daraufhin, wie das innovative Material in funktionale Produkte wie Textilien oder Möbeln eingesetzt werden kann. 

Das Ergebnis war eine Kollektion namens Mycelium + Timber, eine Reihe von einfachen Hockern und Lampen mit einer Wildleder-ähnlichen Oberfläche. Diese wurde erstmals im Somerset House, als Teil des London Design Festivals 2017, vorgestellt. 

Auch der Designer Adam Davies, dessen Interesse an Biomaterialien im Jahr 2015 entstanden ist, während er an der Cardiff School of Art & Design studierte, entwirft Lampen aus Pilzen. Das Kernprodukt seiner Firma Tŷ Syml ist heute der Pendellampenschirm Silo Light, der ursprünglich im Auftrag des Zero-Waste-Restaurants Silo von Brighton in Zusammenarbeit mit der Designerin Nina Woodcroft entwickelt wurde. 

Verkauft werden von der nachhaltigen Designerlampe rund 40 Einheiten pro Monat, hauptsächlich an Restaurants und umweltbewusste Innenarchitekten. 

„Veganes Design wird so populär wie veganes Essen“ 

Designer prognostizierten in diesem Jahr auf der „Vegan Fashion Week“ in Los Angeles, dass veganes Design irgendwann so populär wird wie veganes Essen. Viele glauben, dass sich dieses durchsetzen wird, sobald Alternativen zu tierischen Produkten wie Leder und Wolle leichter zur Verfügung stehen.  

Innenarchitektin Deborah DiMare, Gründerin von VeganDesign.org, sagte, dass die Aufklärung der Verbraucher über die Auswirkungen der Verwendung von Tierprodukten im Design mehr Menschen dazu veranlassen wird, den nächsten Schritt von einer veganen Ernährung zu einem vollständig veganen Lebensstil zu machen.  

Die Designerin schlägt Hanf- und Bambusseidenmischungen als Alternative zu Wolle, Kaschmir oder Merinovor vor. „Alles, was mit Hanf, Jute oder Seegras gemischt ist, ergibt die raue Textur, die Wolle ohne den Geruch von Gammastoffen hat“, so Di Mare gegenüber der „Los Angeles Times“. Laut DiMare könnten außerdem Bananenseide und Tencel, das aus Holzzellstofffasern hergestellt wird, als Seidenersatz dienen. 

Autorin: Katja Ollech

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