01. Sep 2020

Produktfotografie oder 3D-Renderings: Der Vergleich hinkt

Innerhalb kürzester Zeit lassen sich mittels Fotografie zahllose Produktbilder für das visuelle Marketing erstellen. Das Erstellen eines einzelnen Renderings hingegen dauert teils Stunden. Dennoch werden Renderings im Bereich Home & Living zunehmend genutzt. Warum ein direkter Vergleich zwischen diesen beiden Methoden allerdings stark hinkt, was die relevanten Unterschiede sind sowie Einblicke in einen disruptiven Trend des visuellen Marketings, lesen Sie in diesem Artikel.

Zur Erstellung visuellen Werbematerials ist die Produktfotografie weit verbreitet und ist vielerorts der Status Quo. Nach Planung und Aufbau lassen sich innerhalb weniger Minuten zahlreiche Kameraeinstellungen und Perspektiven ablichten. Spätestens seit der Verbreitung der Digitalfotografie in den 90er Jahren kann hier mithilfe von Bildbearbeitungsprogrammen flexibel retuschiert und korrigiert werden, was beim Fotoshooting noch nicht ideal war. Die Fotografie hat maßgeblich von der Digitalisierung profitiert. 

Beim vergleichsweise neuen, rein digitalen Ansatz mittels 3D-Renderings beziehungsweise CGI (Computer Generated Imagery) werden Produkte auf Basis von CAD-Dateien oder Bildreferenzen computergestützt nachmodelliert, in einem virtuellen Freisteller/Studio-Setting oder in einer individuell nachempfundenen Raumsituation platziert und durch eine physikalisch akkurate Lichtsimulation abgelichtet beziehungsweise gerendert. Das erscheint zunächst komplex, eröffnet allerdings zahlreiche Möglichkeiten, die mit herkömmlicher Fotografie nicht machbar sind. 

Kann man beide Methoden überhaupt vergleichen? 

Zu behaupten, dass Renderings immer der bessere Ansatz wären, wäre jedoch verfehlt, da dies stets von den individuellen Anforderungen des Visualisierungsvorhabens abhängt. Die zentralen Fragen drehen sich dabei um Produktanzahl, Locations, Farbvarianten und Gesamtbildzahl sowie möglicherweise Animationen oder nachträgliche Ergänzungen. 

Das Modellieren eines Möbelstücks in 3D erfordert, abhängig von der Komplexität, meist mehrere Zeitstunden. Da allerdings keine Kosten für Transport, Aufbau, Studiomiete etc. anfallen, stehen die Chancen hier sehr gut, dass mittels 3D bei vergleichbarer Qualität ein geringerer Bildpreis realisiert werden kann und das bei reduziertem planerischen Risiko, denn Ausfälle wegen Schlechtwetter gibt es in 3D nicht.  

Übrigens: Falls Sie schon einmal in einem Möbelkatalog geblättert haben und bei einer traumhaft schönen Umgebung so etwas dachten wie "Wer hat denn bitte so eine Terrasse?", dann stehen die Chancen gut, dass die Antwort lautet: "Niemand, denn das ist ein 3D-Rendering und diese Terrasse existiert in der Realität nicht." Bei einem guten Rendering ist der Unterschied zu einem Foto heutzutage nicht mehr wahrnehmbar. 

Branchengrößen wie Ikea, Otto und Wayfair arbeiten für die Präsentation ihrer Waren inzwischen umfänglich mit computergenerierten Bildern auf Basis von 3D-Modellen. Technisch werden dabei die gleichen Software und Techniken genutzt wie für Film-Produktionen in Hollywood, wo sich der Schwerpunkt bereits vor Jahren stark in Richtung CGI verlagert hat. CGI Produktionen mittels 3D-Renderings sind aber längst nicht nur Hollywoods Millionen-Budgets vorenthalten, sondern lassen sich auch für kleine und mittelständische Firmen gleichermaßen effizient nutzen. 

Die Frage der richtigen Berechnung: Zeit ist Geld 

Im Rahmen der Kosten-Leistungs-Rechnung bei der Produktvisualisierung von Möbeln empfiehlt es sich im Übrigen einen verursachungsgemäßen statt kostenstellenorientierten Kalkulationsansatz zu wählen, denn zahlreiche Kostenstellen sind zumindest indirekt betroffen: Welche Aufwände fallen in der Logistik an? Wie hoch sind Abschreibungen durch B-Ware oder Transportschäden? Wie viel Arbeitszeit wird für das Projektmanagement einkalkuliert? Welche Konditionen gelten zum Beispiel bei Schlechtwetter für Outdoorshootings?  

Ein oft genannter Kritikpunkt an 3D-Renderings ist die Bildqualität. Dabei ist jedoch inzwischen nicht mehr die Frage, ob Fotorealismus möglich ist, sondern wer diesen erreichen kann. Fotorealismus per CGI ist durchaus möglich: Wussten Sie, dass ein sehr großer Teil der Ikea-Bilder keine Fotos, sondern 3D-Renderings sind? 

Es sei jedoch angemerkt, dass sowohl Erfahrung als auch Zeit notwendig sind, um die letzten Prozent zum Fotorealismus aus einem Bild herauszukitzeln. Und ein guter Handwerker braucht zum einen das passende Werkzeug, vor allem aber Erfahrung, idealerweise eine eindeutige Arbeitsanleitung und außerdem Zeit. Das gilt auch für Fotografen und 3D-Artists. 

2D vs. 3D - Anforderungen und Mehrwerte 

Das Ergebnis eines Fotoshootings sind in der Regel Bilder in 2D. Und damit kommen wir zum zentralen Punkt, warum der Vergleich von Fotografie und Rendering stark hinkt. 

Dabei ist der Unterschied von 2D und 3D essenziell. 2D-Bilder sind statisch. 3D-Modelle hingegen eröffnen eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten für das Marketing, wie zum Beispiel 360 Grad-Ansichten, Animationen, nachträgliche Anpassungen von Form, Farbe und Umgebung sowie insbesondere den Einsatz von AR- und VR-Anwendungen.  

Nun ist die Frage: Brauche ich das denn überhaupt? Eine berechtigte Frage, doch nicht nur zuletzt im Rahmen der Corona-Krise steigt die Relevanz im Kontext zunehmender Digitalisierung.  

Bei der Entscheidungsfindung hilft die Berücksichtigung von fünf zentralen Fragen: 

  1. Habe ich die Produkte ohnehin vor Ort und komme kostengünstig an hochwertige und variantenreiche Fotos? Klarer Pluspunkt für Fotos.
  2. Kann man an 3D-Dateien oder zumindest Referenzfotos aus dem Werk kommen? Mithilfe dieser kann das Produkt bereits visualisiert werden, wenn die Produktion noch nicht einmal ausgeliefert hat. Besonders spannend für Schnelldreher.
  3. Ist es zwingend erforderlich jedes Detail bis auf die kleinste Naht eins zu eins naturgetreu darzustellen? Das spräche stark gegen Renderings. Kommt es eher auf die emotionale Komponente an? Dann wäre man bei der Wahl ziemlich frei.
  4. Erfolgt ein großer Teil des Geschäfts online und AR-Modelle könnten hier die Konversion weiter steigern? Das wäre ausschließlich mittels CGI möglich. 
  5. Sind Produktanpassungen oder Änderungen eher die Regel oder die Ausnahme? Ein Fotoshooting beginnt stets wieder bei Null, eine 3D-Datei kann auch remote kurzfristig angepasst werden. Die zentralen Vorteile sind Flexibilität und Kosteneffizienz. 

Es wird also klar: Die Unterschiede zwischen Fotografie und Rendering liegen weniger in der Produktion selbst, als in den gebotenen Möglichkeiten.  

Fazit 

Bietet also Fotografie oder CGI für Ihr Unternehmen die bessere Lösung? Eine generalisierte Antwort würde zu kurz greifen, denn ein jedes Unternehmen weist unterschiedliche Anforderungen, Teamkompetenzen und Strukturen auf. In der Praxis kommt es darauf an, in was für Abständen und Umfängen visuelles Material benötigt wird und wie oft Änderungen anfallen. Fakt ist jedoch, dass ein direkter Eins-zu-eins-Vergleich der beiden Ansätze nur bedingt möglich ist, da sich die Produktionsansätze zwar stark ähneln, die potentiellen Mehrwerte jedoch deutlich abweichen. 

Vor allem große Onlineshops oder auch Riesen wie Google befassen sich gegenwärtig sehr aktiv mit AR-gestützter Produktwerbung. Die ersten Testphasen sind bereits abgeschlossen und der Einsatz von AR-Modellen wird in absehbarer Zeit forciert. Es ist daher keine schlechte Idee, sich mit dieser Thematik zumindest schon einmal theoretisch auseinander zu setzen, um je nach Situation die beste Entscheidung treffen zu können. 

Über Tim Hoepfner 

Tim Hoepfner ist Mitgründer und Geschäftsführer des Studio 2038 in Hamburg. Studio 2038 greift aktuellste technische Entwicklungen und Marketingtrends auf und entwickelt daraus branchenübergreifend kundenspezifische Lösungsansätze für Bedarfe vor allem des visuellen Marketings. Besondere Kompetenzen liegen hier in Beratung und Produktion für hochwertige 3D-Renderings mit Schwerpunkt in der Möbelindustrie.  

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