10. Nov 2020

Quo vadis Kunde? Die Möbelbranche und der demografische Wandel

Wir werden älter, weniger und internationaler. So die Kurzversion zur demografischen Situation in Deutschland. Die Wirtschaft wird digitaler, die Generationen leben mobiler und fordern individuellere Kundenangebote. Was bedeutet das konkret für die Möbelindustrie und ihre Handelsstrukturen? Der 360 Grad-Blick auf die Anforderungen von heute und die Möglichkeiten für die Zukunft. 

Ein Generation-Shift voller Herausforderungen 

Die demografischen Veränderungen und ihre Folgen sind in Deutschland seit vielen Jahren in nahezu allen Lebensbereichen spürbar. Ihre Ursachen sind in erster Linie die kontinuierlich steigende Lebenserwartung, das dauerhaft niedrige Geburtenniveau sowie die wachsende nationale und internationale Mobilität. So steht es auf der Homepage der Bundesregierung zum Thema Demografie. 

Welche Auswirkungen hat dies alles auf uns konkret? Wie und wo werden wir wohnen und arbeiten? Und in Bezug auf die Möbelbranche – wie werden wir konsumieren? Ein etwas persönlicher Kurztrip durch die Wohn-, Arbeits- und Shoppingwelten der Zukunft. 

Ich bin Teil der Babyboomer-Generation, meine Kinder gehören zu den Millennials und der Generation Z. Drei Generationen, welche unterschiedlich aufgewachsen und geprägt sind beziehungsweise wurden? Wir haben verschiedene, aber auch sich veränderte Einstellungen zu diesen Themen. Schauen wir mal genauer hin. 

Wohnen – Cocooning, Hygge & Co. 

Die aktuelle Situation zwingt alle, sich wieder mehr mit dem „Zuhause sein“ zu beschäftigen. Die Wohnung wird zum echten Rückzugsort, zur Wohlfühl-Oase. Ein Ergebnis daraus ist, dass Anschaffungen für die Einrichtung in diesem Jahr vielleicht schneller vorgezogen wurden als geplant. Wir wollen es halt so gemütlich wie möglich. Aber das wird nicht jedes Jahr passieren – aus verschiedenen Gründen. 

Die Generationen der Millennials und zukünftig auch die Generation Z werden weiterhin mobiler sein müssen und individueller leben wollen. Die klassische Wohnung ist eine Option, aber „Wohnen auf Zeit“ und in Gemeinschaften wie Co-Living spielen ebenso eine Rolle. Dazu kommt, dass Wohnraum zumindest in den Großstädten weiterhin nicht ausreichend zur Verfügung steht und auch bezahlbar sein muss.  

Eine Challenge für die Generationen, Immobilienanbieter und auch für die Möbelindustrie. Modelle wie Micro-Apartments, Tiny-Houses oder fertigt eingerichtete Mietwohnungen sind der Versuch, hierauf Antworten und Angebote zu geben. Denkt man diese Entwicklung weiter, ist ein Trend erkennbar – der Bedarf noch zeitlich begrenzten Besitzen und Möglichkeiten zum flexiblen Austauschen von Möbeln. 

In Zeiten der Corona-Pandemie geben die Deutschen mehr Geld für ein schönes Zuhause aus. © Canva

Zurück zur generellen Gemütlichkeit. Mit Hygge kam ein skandinavisches Lebensgefühl zu uns, welches sich schnell aus einem Trend zum Statement in unserem Alltag entwickelt hat. Auch hier eine These mit Blick nach vorn. Wer Lust am Dekorieren und Umgestalten, möchte dies möglicherweise auch gern mit seinen Möbeln machen. Vielleicht nicht im Wechsel mit den Jahreszeiten. Oder doch? 

Noch einmal die Babyboomer. Wir werden älter und gelten mit der Kategorie „Silver Society“ als wachsender Megatrend. Liegt der Fokus der Einrichtungshäuser aktuell stärker bei den jüngeren Konsumenten, sollte dieser Zielgruppe unbedingt wieder mehr Beachtung geschenkt werden.

Hier gibt es jetzt schon veränderte Vorstellungen auf Abwechslung. Und eventuell möchte ein Teil von uns später in einer altersgerechten Wohnung dies auch nochmal als Start zum Neueinrichten nutzen. Optionen auf Wohnausstattungen entsprechend den Lebensabschnitten sind willkommen. Babyboomer werden älter, sind aber nicht altmodisch. 

Vom „Hoffice“, Coworking und was noch kommen kann 

Die Veränderungen der Bürowelten stehen heute oft im Mittelpunkt der Diskussionen und werden bleibende Spuren hinterlassen. Wie sehr die Strukturen verschmelzen, hat Frau Oona Horx-Strathern in dem Begriff „Hoffice“ interessant zusammengefasst.

Arbeitswelt im Wandel: Attraktive Coworking Spaces und zeitgemäß gestaltete Büroflächen sind gefragter denn je. © Canva

Die Auswahlmöglichkeiten des Arbeitens von Zuhause, der zusätzlichen Option einer Arbeitsatmosphäre mit sozialem Austausch im Coworking Space und zeitgemäß gestaltete Büroflächen in den Unternehmen – diesen Anforderungen muss sich die Möbelbranche stellen.

Dies bedeutet, die eigenen Geschäftsmodelle zu überdenken und auf diese Bedürfnisse neu auszurichten. Diesen Weg für einen hybriden Businessansatz geht aktuell Vitra mit dem Angebot „Home Office Rental by Vitra“ für Geschäftskunden in Deutschland in einen Test bis Ende des Jahres. 

Wie sieht die Zukunft von modernen Bürowelten innerhalb von Unternehmen aus? 

Ein Beispiel dafür liefert Office Inspiration mit dem Rundgang durch die neugestaltete Abteilung Business Intelligence am Campus der OTTO Group in Hamburg-Bramfeld.

Die Zeiten ändern sich und mit ihnen die Anforderungen an die Möbelindustrie und ihre Handelspartner, getrieben vom demographischen Wandel und seinen Merkmalen, veränderten Bedürfnissen und auch einem anderen Nutzungsverhalten beim Konsumieren durch die Generationen. Anhand der Beispiele ist zu sehen, dass die Zeichen der Zeit erkannt sind. Die Umsetzung ist entscheidend, wenn die heutigen und zukünftigen Kunden (neu) gewonnen werden wollen. Die Möbelbranche hat es in der Hand. 

Rental Business – gelebte Praxis. Ein Blick in andere Branchen und „über den Teich“ zum Thema Furniture as a Service. Demnächst hier im Detail mehr dazu.

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