29. Sep 2020

Verpackung von Einrichtung: Sauber verpackt

Umweltfreundliche Verpackungen werden auch für die Möbelbranche zum Thema. Findige Unternehmen haben längst Wege gefunden, auf Plastik und Styropor zu verzichten.

Das schöne Möbelstück ist ausgepackt und steht an seinem Bestimmungsort. Doch nun gilt es erstmal, die Verpackung zu entsorgen – und die besteht unter anderem aus Plastikfolien und Styropor. Das gibt einen Minuspunkt beim Kunden, denn der hatte bei der Auswahl extra auf klimaneutrale Herstellung geachtet. Wie ärgerlich, dass der massive Einsatz von Kunststoff die Ökobilanz der Bestellung ruiniert.  

Fakt ist: Bei der Verpackung hinkt die Möbelbranche anderen Sparten hinterher. Es dominieren vielfach Materialien, die in punkto Umweltschutz nicht gut abschneiden; auch deren Entsorgung ist für Händler und Hersteller meist kein großes Thema.

Es zeigt sich indes, dass für Verbraucher die Art der Verpackung wichtiger wird. Laut einer Umfrage des Verpackungsspezialisten Smurfit Kappa achtet bereits rund ein Drittel der Konsumenten darauf. Auch die Möbelbranche kann sich dem Trend nicht verweigern.

Viel Verpackung, wenig Inhalt: Der Materialeinsatz bei Lieferungen ist enorm. © unsplash / Markus Spiske

Beispiel aus Berlin 

Ein Beispiel, wie es funktionieren kann, ist das Berliner Unternehmen Ekomia – es verkauft Ökomöbel aus eigener Herstellung. Managing Director Rolf Piechura sieht aber nicht nur die Produktion, sondern auch die Verpackung als zentralen Punkt der Strategie: „Im Grunde lösen wir bei der Verpackung unserer Massivholzmöbel alles mit Papier und Pappe – dafür gibt es in Deutschland ja sehr gute Recyclingmöglichkeiten.“

Anfangs habe es dadurch Probleme mit Beschädigungen gegeben, die aber rasch gelöst werden konnten. „Für unsere Kunden, die ja viel Wert auf Nachhaltigkeit legen, müssen vor allem Preis und Design stimmen“, berichtet Piechura. Aber auch eine umweltfreundliche Verpackung werde gut angenommen – vorausgesetzt, dass die Möbel wirklich unbeschädigt ankommen.

Das junge Berliner Unternehmen ekomia verwendet bei seinen Verpackungen nur wiederverwertbare Materialien. © Ekomia, beigestellt

An Ideen mangelt es dem 2013 gegründeten Berliner Unternehmen jedenfalls nicht: So werden die Käufer dazu angeregt, die Verpackung doch weiter zu verwenden. „Wir zeigen unseren Kunden mit beiliegenden DIY-Anleitungen, wie sie aus Kartonverpackungen beispielsweise einen Nachttisch oder Stiftehalter basteln können“, erzählt Piechura.

Er ist sicher, dass in Sachen Verpackung noch viel getan werden kann. „Man muss es nur wollen. In der Möbelbranche gibt es da sicher noch viel Potenzial, derzeit werden vielfach Materialien wie Styropor verwendet." 

Rolf Piechura von Ekomia ist sicher, dass die Möbelbranche bei der Verpackung mehr tun kann. © Ekomia, beigestellt

15 Jahre im Einsatz 

Rolf Piechura weiß aber auch, dass es für eine Verbesserung nicht nur auf jene Lieferungen ankommt, die letztlich beim Konsumenten landen: „Es müssten auch die Verpackungsmaterialien bei Zulieferern thematisiert werden, ein großer Teil des Verpackungsmülls fällt schon am Anfang der Produktionskette an.“

Ein Unternehmen, das diese Forderung bereits umsetzt, ist Blum: Der Vorarlberger Hersteller von Möbelbeschlägen setzt seit einigen Jahren neben Karton-Mehrwegverpackungen eine eigene Lösung namens Eco-Pack ein, mit der sowohl die Ansprüche der Kunden als auch interne Vorgaben erfüllt werden können. Das selbst entwickelte System verbessere die Raumnutzung im Lkw und die Mehrfachnutzung, berichtet Pascal Fitz, Umwelt- und Energiebeauftragter des Unternehmens.

Der österreichische Möbelbeschläge-Hersteller Blum vertraut auf seine eigene Lösung Eco-Pack. © Blum, beigestellt

Die Verpackung kann bis zu 15 Jahre verwendet werden, ehe sie als Rohstoff erneut dem Kreislauf zugeführt wird. Blum hat sich generell der Nachhaltigkeit verschrieben; so gibt es bei der Logistik und beim Energieeinsatz entsprechende Bemühungen. Bis 2025 will das Unternehmen mit seinen Aktivitäten klimaneutral sein.  

Pascal Fitz, Umweltbeauftragter des Vorarlberger Herstellers Blum. © Blum, beigestellt

Solche Beispiele machen Schule. Zugleich wird die Auswahl an umweltfreundlicher Verpackung größer, denn die Hersteller sehen in dieser Hinsicht eine steigende Nachfrage. Dazu kommt, dass neue, innovative Ansätze für umweltfreundliche Verpackung entwickelt werden, beispielsweise biobasierte Kunststoffe, die ganz oder teilweise aus Biomasse bestehen. Nicht zu verwechseln sind solche Materialien mit biologisch abbaubaren Kunststoffen – diese zersetzen sich rückstandsfrei und belasten daher nicht die Umwelt.

Interessante Ansätze liefert auch das Forschungsprojekt „Dendromass4Europe“, an dem unter anderem die TU Dresden beteiligt ist. Dabei sollen aus Pappelholz und -rinde nicht nur neuartige, leichte Werkstoffplatten für Möbel erzeugt werden, sondern auch pilzhemmende Fasergusskomponenten, die Kunststoff als Verpackungsmaterial ersetzen können und einfach zu verwerten sind. Eine gewichtige Rolle bei der Ökobilanz der Verpackung spielt außerdem die Vermeidung von leeren Verpackungen.

Autor: Robert Prazak

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