13. Jul 2020

Spatial Design: Digitaltechnik macht Räume erlebbar

Ein Architekt plant das Gebäude, der Innenarchitekt die Möblierung und das Dekor und der Lichtplaner die zum Gebäude und zum Raum passende Beleuchtung. Architektur, Einrichtung, Licht – all diese Gestaltungselemente machten bisher einen Raum als Ganzes aus und verliehen ihm Charakter. Jetzt kommt das Spatial Design als neue Disziplin dazu.

Spatial Design, übersetzt Raumgestaltung, ergänzt den Dreiklang aus Architektur, Innendesign und Licht durch eine weitere Komponente: die wechselnden Bedürfnisse und Anforderungen an Räume. Dazu nutzt sie Digitaltechnik. Ein Beispiel für diese Technik ist das DigitalWallpaper des bayerischen Unternehmen ASB Glassfloor. Hier werden Räume zu einem Erlebnis und die Technik setzt gleichzeitig den Nutzer durch Experience Design und digitale Medien in den Mittelpunkt der Raumgestaltung.

Neue Disziplin: Spatial Design

Traditionell ging es bei der Architektur und Inneneinrichtung als Konzept immer darum, die Qualität des Raums, in dem wir leben, zu verbessern. Dieses Verständnis einer einmaligen Einrichung verinderte allerdings die Anpassung des Raumes an wechselnde Bedürfnisse und Anforderungen der Menschen, die sie nutzen.

Mit dem Gestaltungsansatz Spatial Design, der den Menschen mit seinen sicher verändernden Bedürfnissen und Stimmungen in den Fokus der räumlichen Gestaltung rückt, geht das Design und das Einrichten eines Wohnraums über einmal geplante Farben, Materialien, Beleuchtung und Möbel hinaus. Durch die Integration von Digitaltechnik wird eine neue Definition von Raum, der mit dem Nutzer interagiert, geschaffen. Der Raum wird so durch die Digitalisierung zum erweiterbaren und erlebbaren Medium. 

Der Genius loci, der „Geist eines Ortes“, spielt dabei eine wichtige Rolle: Neben der messbaren Beschaffenheit von Räumen sind in der modernen Architektur auch Atmosphäre, Aura und individuelle Wahrnehmung wichtige Planungskriterien. Wer den Nutzer erreichen oder ihn zu Interaktion bewegen möchte, muss ein emotionales Raumerlebnis schaffen.

Ein Thema, dass das Unternehmen ASB Glassfloor jetzt aufgegriffen hat: „Wir haben in der Sportwelt gemerkt, welchen Nutzen LED-Technologie haben kann“, erklärt Christof Babinsky, Geschäftsführer von ASB Glassfloor. „Dieses Wissen und technische Know-how übertragen wir in andere Bereiche, wie zum Beispiel in die Kunst und in die Architektur. Das DigitalWallpaper ist unsere jüngste Innovation auf diesem Gebiet und es ist ein perfektes Tool, um Räume erlebbar zu machen.“

Auf den Frame Awards im Februar in Amsterdam zeigte ASB Glassfloor erstmals das ASB DigitalWallpaper. Mittels LED-Technologie lassen sich Wandflächen mit unterschiedlichen Motiven bespielen. © ASB Glassfloor

Raumgefühl wechselt im 3-Minuten-Takt

Das ASB DigitalWallpaper ist ein gutes Beispiel für Spatial Design. Dank HD-LED-Technologie kann die Wand jedes Motiv abbilden. Die räumliche Umgebung wandelt sich, ohne dass ein Tropfen Farbe, ein Möbelstück oder ein Stein in die Hand genommen werden muss. Stattdessen werden digitale Muster, Fotos oder Filme auf der Wand abgebildet – alles ist möglich und wird von dem Betrachter in einem 180-Grad-Betrachtungswinkel wahrgenommen. 

Das neue Architekturprojekt von ASB Glassfloor zeigt auch, wie sich der Zweck eines öffentlichen Raumes innerhalb von Sekunden anpassen kann. Bei jedem Durchschreiten des Raumes kann sich beispielsweise das emotionale Umfeld des Besuchers ändern, obwohl die physische Umgebung gleichbleibend ist. So wird dem menschlichen Bedürfnis nach täglicher Abwechslung Rechnung getragen. „Ich stelle mir zum Beispiel ein Pop-up-Restaurant vor, das jeden Abend in einer anderen Stadt liegt“, sagt Babinsky.

„Den einen Abend sitzt man unter dem Eiffelturm in Paris, den anderen an der kalifornischen Küste. Das Restaurant bleibt dabei natürlich immer am selben Ort. Im Entertainment-Bereich gibt es vielfältige Möglichkeiten, aber nicht nur dort. Stellen Sie sich einen Pop-up-Store am Flughafen vor, der jede Woche wechselt, ganz ohne Umbau, weil es sich um eine interaktive Commercial-Fläche handelt.“ 

Die Entwicklung von ASB DigitalWallpaper eröffnet Architekten und Designern komplett neue Möglichkeiten, Räume zu inszenieren und ihre Nutzer zur Interaktion zu bewegen. © ASB Glassfloor

Umgebungen durch Digitaltechnik freundlicher gestalten

Räume durch die Integration von Digitaltechnik für ihre Nutzer erlebbar zu machen und den Menschen zu Interaktion zu bewegen, das ist das Ziel von Experience Design. LED-Glaswände und -böden sind hierfür eine gute Lösung. Der Einsatz ist flexible, die räumlichen Gestaltungsmöglichkeiten enorm: So wurde für die Microsoft-Zentrale in Dublin mit der Technologie von ASB Glassfloor ein digitaler Wasserfall erschaffen, der in einen virtuellen See stürzt.

Das Glas reflektiert kaum; die Fläche kann mit einer Höhe von 440 Zentimeter als transparente Balustrade genutzt werden. Die komplexe Technik bleibt dabei unsichtbar, sie befindet sich hinter der matt-homogenen Glasfläche – die Besucher sind den Lichtquellen nie direkt ausgesetzt. 

„Räume passen sich beim Betrachten an, Menschen werden über digitales Spiel zusammengebracht“, erläutert Babinsky. „In der Museumspädagogik, in Galerien oder Kunstausstellungen, aber auch in Shopping Malls, Bahnhöfen und Flughäfen, ob als Werbewand oder Kunstartefakt: Die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten ist immens. Wir integrieren LED, architektonisch wertvolle Hardware und liefern zusätzlich den Content für spezifische Projekte“.

Auch Arbeitsumgebungen können freundlich gestaltet werden. Das Büro passt sich verschiedenen Themenbereichen an. Oder es werden Informationen über das Digital Wallpaper gespielt. „Wenn die Mitarbeiter in den Feierabend gehen, zeigt man ihnen noch kurz das aktuelle Wetter an. Dann können sie den Schirm mitnehmen, wenn es regnet, oder dort lassen, wenn die Sonne scheint,“ erklärt Babinsky.

Ein Eyecatcher besonderer Art begrüßt Mitarbeiter und Besucher des neuen Microsoft Campus in Irland. Ein digitaler See mit digitalem Wasserfall, bestehend aus tausenden LEDs, verleiht dem großzügigen Atrium einen futuristischen Touch. © ASB Glassfloor

Den Menschen im Fokus 

Eine Raumgestaltung unter Berücksichtigung von Experience Design und digitalen Medien, das Spatial Design, hat in die Innenarchitektur Einzug gehalten, um menschlichen Bedürfnissen gerechter zu werden und sie im Gebäude zu integrieren. Mit Hilfe spezifischer Designstrategien und -psychologien beeinflusst die Raumgestaltung die Art und Weise, wie wir uns fühlen und in welchem Maße wir es genießen, in einem Raum zu leben.

Digitale Installationen als Gestaltungselement wie ASB DigitalWallpaper schaffen hier einen Spagat: Anstatt Bildschirme zu nutzen, um Nachrichten oder Werbung darzustellen, integrieren sie digitale Hardware hinter Glas und lassen so Menschen Räume individuell erleben, die vorher eindimensionaler waren.

Autorin: Bernadette Trepte

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