02. Mär 2020

Start-up-Check: Laura Seiler von Lyght Living im Interview

Laura Seiler ist eine der beiden Gründerinnen des Start-ups  Lyght Living, einem Online-Shop für Mietmöbel. Im Interview erzählt die Berlinerin, wie sich das Unternehmen von seiner Konkurrenz unterscheidet, warum Social Media ein großer Treiber für die junge Marke ist und was die Millennial-Generation damit zu tun hat. 

Frau Seiler, Sie treten mit Ihren Mietmöbeln nicht nur gegen Ikea, sondern auch gegen andere Startups an. Was machen Sie besser/anders als der schwedische Möbelkonzern und Ihre Konkurrenz? 

Zunächst einmal bieten wir volle Flexibilität für den Kunden. Wir gehören selber zu unserer Zielgruppe und wissen daher aus erster Hand, wie schnell sich Geschmack und Lebenssituation der Millennial-Generation ändern können.  

Wir legen Wert darauf unseren Kunden den höchsten Grad an Flexibilität zu bieten. Mit uns können Kunden somit jederzeit ihre Produkte umtauschen, zurückgeben oder kaufen und zahlen dabei nie mehr als den Handelspreis. Es ist also eine sehr faire Alternative zum Kauf.  

Zudem bieten wir ein umfassendes Service-Paket inklusive Lieferung und Möbel-Montage – und das sogar ohne Aufpreis. Geliefert wird alles in einem Rutsch und innerhalb von zwei Wochen. Somit bieten wir ein hohes Maß an Convenience. 

Unser Sortiment ist ein weiterer wichtiger Faktor, den unsere Kunden schätzen. Unser Multimarkenangebot umfasst neben Essentials auch ausgewählte Design-Klassiker. 

Warum sollte ich mir als Verbraucher ein Möbelstück mieten anstatt es zu kaufen?  

Überall auf der Welt sehnen Menschen sich nach mehr Flexibilität bei der Wohnungseinrichtung sowie nach einfachem Zugang zu hochwertigen Möbeln ohne hohe Anschaffungskosten. Unser Angebot richtet sich an mobile Menschen, die öfter umziehen, also nur für eine bestimmte Zeit an einem Ort wohnen.  

Für sie lohnt sich ein Möbelkauf nicht und sie möchten bei der Wohnungseinrichtung flexibel bleiben, anstatt sich zu binden. Das sind insbesondere Millennials im Alter zwischen 20 und 45, die in Großstädten leben und offen gegenüber neuen Geschäftsmodellen sind.  

Als erste Anlaufstelle für stylische Wohneinrichtung richtet Lyght Living sich aber auch an alle Menschen, die Lust darauf haben, neue Wohntrends und -ideen auszuprobieren. Sie können ein Möbelstück auf bestimmte Zeit mieten und es dann ohne massive finanzielle Einschnitte gegen den nächsten Trend eintauschen. 

Unser Service richtet sich außerdem an alle, die keine Lust haben, sich um Lieferung, Aufbau und Entsorgung ihrer Möbel zu kümmern: für Lyght Living Kunden ist das inklusive. 

Das Start-up Lyght Living bietet Möbel zur Miete an @ Lyght Living

Was unterscheidet den typischen Mietkunden vom klassischen Möbelkäufer? 

Der typische Mietkunde ist experimentierfreudig und möchte sich ungern festlegen, weil Geschmack und Lebenssituation sich ändern können. Ausschlaggebend dafür sind zum Beispiel Job- oder Partnerwechsel oder der Wunsch nach einem flexiblem Upgrade zu trendigen Designermöbeln. 

Ein paar Insights bitte: Wie finanzieren Sie sich? Wie machen Sie Ihre Marke und Ihr Angebot bekannt? 

Lyght-Living-Kunden zahlen eine monatliche Mietgebühr. Mit der mehrmaligen Wiederaufbereitung und erneuten Vermietung von Möbeln übertreffen wir so die Margen traditioneller Einzelhandelsunternehmen. 

Unsere Marke ist ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal für uns. Lyght Living ist inspirierend, aber dennoch sehr nahbar, authentisch und humorvoll. Wir sind im ständigen Dialog mit unseren Kunden und sind daher auch stark auf Social Media aktiv, was ein großer Treiber für uns ist.  

Auf Produktseite wachsen wir mit ausgewählten Herstellern und Händlern, die wir nach und nach zu unserem Produkt-Portfolio hinzufügen. 

Nachhaltigkeit spielt bei Lyght Living eine essentielle Rolle. © Lyght Living

Wie schaffen Sie es, Möbelstücke mehrfach in den Mietzyklus einzubringen? 

Nachhaltigkeit spielt bei Lyght Living eine essentielle Rolle. Um die Lebensdauer unserer Möbel zu verlängern, bereiten wir sie nach jedem Mietzyklus professionell auf, um sie dann im neuwertige Zustand an den nächsten Kunden vermieten zu können.  

Die Produkte in unserem Sortiment sind für eine möglichst lange Lebensdauer konzipiert: Wir führen in erster Linie Möbelstücke von Marken, die Ersatzteile anbieten, so dass - falls mal etwas kaputtgehen sollte - wir die Möbel reparieren und wieder vermieten können. Außerdem sollte sich das Oberflächenmaterial der Möbelstücke gut wieder aufbereiten lassen, sobald ein Mietzyklus beendet ist.  

Wir achten außerdem darauf, dass unsere Möbel nicht aus allzu vielen Einzelteilen bestehen - so kann beim Auf- und Abbau weniger kaputtgehen und die Möbel leben länger. So schaffen wir es, durch smarte Produktauswahl und professionelle Aufbereitung die Möbelstücke mehrfach in den Mietzyklus einzubringen. 

Was passiert bei einer Abnutzung oder einem Schaden an Ihren Möbelstücken? 

Normale Gebrauchsspuren sind komplett abgesichert. Bei stärkeren Abnutzungen oder Schäden, wie zum Beispiel dem gefürchteten Rotweinfleck, übernehmen wir 90 Prozent der Reparaturkosten. 

Welches Potenzial sehen Sie generell für Möbelhersteller und -händler, das Modell „Möbel auf Zeit“ anzubieten? 

Laut einer Studie, die wir durchgeführt haben, haben bislang nur zwei Prozent der Befragten Möbel gemietet. Der Grund: Die große Mehrheit war sich nicht dessen bewusst, dass das Konzept “Möbel auf Zeit” überhaupt existiert. Dennoch kann sich beinahe jeder Zweite vorstellen, zukünftig Möbel zu mieten.  

Mehr als neun von zehn Befragten würden dabei auch gebrauchte Möbel mieten. Wir sehen also großes Potential für das Modell “Möbel auf Zeit”. Auch in unserem Tagesgeschäft können wir sehen, dass die Nachfrage stetig wächst, so dass wir unser Sortiment im Laufe der letzten Monate vielfach vergrößert und erweitert haben.  

Eine wichtige und wachsende Zielgruppe sind dabei jüngere Kunden, die klare Vorteile in den Mietmodellen der Sharing Economy sehen. 

 

Ansprechpartner
Porträt von Nadine Deuring
Nadine Deuring standard.toggle-bookmark Geschäftsführung
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