Vertrauensbildende Maßnahmen

Vertrauen gewinnt Kunden

Vertrauen in Produkte und Leistungen basieren auf unseren eigenen Erfahrungen, Bewertungen anderer Nutzer und Nutzerinnen sowie Vergleichsmöglichkeiten über unabhängige Institutionen und Portale. Die Möglichkeiten zur Meinungsbildung sind vielfältig und doch fehlen zuweilen noch Entscheidungshilfen, vor allem bei neuen Themen wie der Nachhaltigkeit. Dieser Beitrag schlägt die Brücke von einem kurzen Überblick zum Thema Kundenvertrauen hin zu konkreten Ansatzpunkten und Anforderungen für die Möbelbranche.

01. Feb 2022

Mit unseren eigenen Erfahrungen entwickeln wir Vertrauen zu Anbietern, ihren Produkten und Leistungen, werden im besten Fall zu Markenbotschaftern. Wir beeinflussen andere Nutzer und Nutzerinnen über Rezensionen in ihrer Meinungsbildung und lassen uns selbst beeinflussen. Die Basis dieser Vertrauensbildung bleibt trotz allen Bemühens subjektiv, da wir uns von persönlichen Eindrücken leiten lassen.

Um eine objektivere, neutralere Einschätzung für einen Vertrauensaufbau zu erhalten, beziehen wir daher zusätzliche Informationen von unabhängigen Institutionen wie Stiftung Warentest oder Portalen wie Trustpilot. Zertifizierungen, Labels und Siegel zu Produkten und Leistungen geben uns weitere Sicherheit, zum Beispiel bezüglich des Herstellungsprozesses oder qualitativer Eigenschaften.

BMEL.de

Vertrauen auf den ersten Blick

Vertrauensbildende Maßnahmen aus Erfahrungen, Rezensionen und Bewertungen sind wichtig. Zweifellos. Allerdings braucht es auch Eindeutigkeit, möglichst auf den ersten „Produktblick“. In vielen Bereichen sind einfach erfassbare Produktkennzeichnungen heute schon Standard und Teil der Informationspolitik. Dies verdeutlichen die folgenden zwei Beispiele:

Das EU-Energielabel

Die EU-Energieverbrauchskennzeichnung befindet sich auf verschiedensten Produkten, zum Beispiel auf Leuchtmitteln, Waschmaschinen, Fernsehern oder Heizungen. Mit Energieeffizienzklassen und Angaben zu Produkteigenschaften wie Strom- und Wasserverbrauch oder Lautstärke lassen sich verschiedene Geräte einfach vergleichen. 

Der Nutri-Score

Die Kennzeichnung mit einer Farb- und Buchstabenskala macht es möglich, den Nährwert von Lebensmitteln einer Produktkategorie auf einen Blick zu erkennen, zu vergleichen und sorgt so für Orientierung. Eine ausgewogenere Ernährung wird dadurch einfacher.

Laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hatte schon im Vorfeld seiner Einführung in Deutschland eine repräsentative Studie gezeigt: Der Nutri-Score ist das beste von insgesamt vier getesteten Modellen der erweiterten Nährwertkennzeichnung: 57 Prozent aller Verbraucher/innen in Deutschland zogen ihn drei anderen Modellen vor. Der Grund: Das Label ist intuitiv und leicht verständlich. 

Solche Produktkennzeichnungen ermöglichen es Nutzer/innen einen schnellen und eindeutig nachweisbaren Überblick zu erhalten, Produkte objektiv zu vergleichen und auf Basis hinterlegter Kriterien entscheiden zu können.

Canva

Welche Optionen gibt es in der Möbelbranche?

Der „blinde Fleck“ Nachhaltigkeit

Für die Produkte der Möbelbranche existieren eine Vielzahl an Zertifizierungen und Kennzeichnungen. Das Spektrum reicht von Prüf-und Qualitätssiegeln, über Zertifikate zum Materialeinsatz bis hin zu Emissionslabeln. Doch in dieser Vielfalt und Komplexität liegt auch die Herausforderung für die Branche. Kunden und Kundinnen wollen sich einen schnellen, kompakten und eindeutigen Überblick anhand klar definierter Kriterien am Produkt verschaffen können. 

„Der gesellschaftliche Trend zu einem nachhaltigen Leben hat Auswirkungen auf den Möbelmarkt. Das Umweltbewusstsein der Konsumenten ist gestiegen, sie legen Wert auf natürliche, umweltfreundliche Materialien und eine nachhaltige, faire Produktionsweise. Wie eine Befragung zeigt, spielt der Aspekt Nachhaltigkeit für 73 Prozent der Kunden und Kundinnen beim Kauf von Möbeln eine wichtige Rolle.“, so das Ergebnis aus einer Marktstudie von PwC Deutschland.

Gerade bei aktuellen und gleichzeitig neuen Themen wie dem der Nachhaltigkeit, bleiben Kunden und Kundinnen jedoch häufig ratlos zurück. Die Branche kommt den Anforderungen an Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft wie einem verantwortlicheren Umgang mit und der Einsparung von Ressourcen, langlebigeren Produkten mit modularen Eigenschaften und die Möglichkeiten für die Rückführung der einsetzten Materialen für eine Wiederverwendung bisher nur sehr bedingt nach. 

Häufig werden diese Themen vor allem zu Marketingzwecken herangezogen oder es werden einzelne nachhaltige Produkte entwickelt. Die tatsächliche Nachhaltigkeit von bereits als kreislauffähig angebotenen Produkten und Services ist für Kunden und Kundinnen jedoch häufig schwer bis gar nicht nachvollziehbar beziehungsweise unzureichend transparent belegt. 

Was in diesem Zusammenhang fehlt, ist ein zentrales Instrument und ein abgestimmtes Vorgehen der Branche. Eine eindeutige Produktkennzeichnung, welche den Umsetzungsgrad der Zirkularität des Produktes innerhalb der definierten Kriterien zeigt und es damit ermöglicht, Produkte innerhalb einer Produktgruppe zu vergleichen. Über eine strukturierte und vereinheitliche Darstellung würde den Anbietern die Option gegeben, die umgesetzte Nachhaltigkeit der Produkte gegenüber den Nutzer/innen sichtbar und transparent zu machen.

Gleichermaßen bietet es die Möglichkeit für Produzenten, sich eingehend mit der Thematik zu beschäftigen und dabei ihre Geschäftsmodelle zirkulärer auszurichten und daraus einen Wettbewerbsvorteil zu generieren. Diesem Punkt sollte Aufmerksamkeit und Diskussion gewidmet werden. Vielleicht zukünftig mit einem Score für Circular Furniture. Vertrauen gewinnt Kunden und Kundinnen. Nachhaltig.

Eva Bucherer – Circular Business Models
Andre Hempel – lab of rent

Ansprechpartner
Porträt von Andre Hempel
Andre Hempel Geschäftsführung
lab of rent
Schreiben Sie den ersten Kommentar