10. Okt 2019

Was bei einer 3D-Tour zu bedenken ist

Auf der diesjährigen interzum wurde die Sonderschaufläche „Mobile Spaces“ per 3D-Technologie aufbereitet. Umgesetzt wurde das Ganze von der Firma Bildmechaniker mithilfe der 3D-Technologie von Matterport – so detailliert, dass sogar der ausgestellte Wohnwagen virtuell betreten werden konnte.  Wir haben mit Roland Possler, Geschäftsführer von Bildmechaniker, über Messestand-Vermessung, Stolperfallen, Immobilienumbauten und darüber, was Schwiegermütter damit zu tun haben, gesprochen. 

Roland, welches Potenzial siehst du für Messeaussteller, die Matterpoint-Technologie für die Verlängerung ihrer Stände einzusetzen?

Ein Messestand ist immer eine sehr kurzfristige und oft sehr teure Plattform zur Produktvorstellung. Die Möglichkeit, einen solchen Stand digital zu konservieren und jederzeit als 3D-Modell begehen zu können, eröffnet weitere Möglichkeiten der Messen-Nachbereitung beispielsweise zum Intensivieren der Kundenbindung oder als innovative Außendarstellung. 

Ein super Werkzeug sind aktive Markierungen. Jede dieser Markierungen kann mit zahlreichen Informationen versehen werden, zum Beispiel mit Bildern, Texten oder einer Verlinkung zur eigenen Website. 

Was sind die Herausforderungen einer virtuellen Begehung?

Da gibt es viele. Sorgfalt und Umsicht sind wichtig. Alles, was gescannt wurde, selbst Unrat in den Ecken, ist auch im Ergebnis sichtbar und kann nicht in der Postproduktion entfernt werden. Spiegel und Fenster haben auch großen Einfluss auf das Ergebnis. 

Weite Flächen, die keine abwechselnde Oberflächenstruktur bieten, sind außerdem schwer zu scannen beziehungsweise werden fehlerhaft zusammengesetzt. Da muss man sich schon etwas einfallen lassen. Das größte Problem sind allerdings Wasseroberflächen, denn Wasser reflektiert das ausgesendete Infrarot Signal nicht. Das bedeutet, dass diese Oberfläche für den Scanner quasi unsichtbar ist. 

Direktes Sonnenlicht ist für die Infrarot-Technik zu hell. Auch hier gibt es im Endprodukt blinde Flecken. Auch Menschen in Bewegung sind schwierig, denn diese verursachen geisterhafte Strukturen im 3D-Modell.

Was muss eine Firma für die Umsetzung einer 3D-Tour bereitstellen, wie lange dauert so etwas und über welche Kostengrößen sprechen wir eigentlich?

Die Bereitstellung ist ziemlich einfach: Ich komme mit dem Scanner vorbei und lege los. Der Kunde entscheidet, wie er seine Fläche präsentieren will. Bei der Versicherungsdokumentation eines Wohnungsbrandes muss alles so bleiben, wie es ist. 

Soll das Objekt (Haus, Bürofläche, Messestand) andere Interessenten ansprechen, ist vorab eine Reinigung zu empfehlen. Deko macht die Bilder grundsätzlich schöner und Produkte, die markiert werden sollen, müssen präsent sein. 

Mein Tipp ist immer: Alles so herrichten, dass die Schwiegermutter zu Besuch kommen kann. Sollen aktive Markierungen eingebaut werden, muss der Auftraggeber diese Information schriftlich oder digital liefern.

Die Form des Raumes und der Möbel haben einen einschneidenden Einfluss auf die Dauer der Umsetzung. 100 Quadratmeter Grundfläche können in 30 Minuten erledigt sein, sie  können aber auch 1,5 Stunden in Anspruch nehmen.

Die Kosten sind abhängig von der Größe der zu scannenden Fläche. 100 Quadratmeter kosten ca. 400 Euro netto plus mögliche Extras. Je größte die Fläche ist, desto teurer wird es.

Kannst du uns einen Case nennen, der für Möbelunternehmen, Designer oder Architekten interessant sein könnte?

Wir haben für ein Architekten-Team eine leere, ehemalige H&M Verkaufsfläche gescannt und das so gewonnene 3D-Punktwolken-Modell an das Team übergeben. Diese war dann die Grundlage für neue Planungen und Einbauten in der Immobilie. Den Architekten hat dieses Modell außerdem im Vorfeld viele Aufmaßarbeiten erspart.

Über die Matterport-Technologie

Die AI-gestützte Bildverarbeitungssoftware von Matterport erstellt in nur wenigen Sekunden interaktive 3D-Erlebnisse von realen Räumen. Gleichzeitig vermessen Infrarot-Sensoren jedes Details des jeweiligen Objektes. So entstehen realitätsgetreue virtuelle Rundgänge und 3D-Begehungen, die der Nutzer aus der eigenen Perspektive eigenständig erkunden kann. 

Anders als bei anderen Anbietern gibt es keine störenden Ladezeiten zwischen den einzelnen Standpunkten. Stattdessen gleitet der Nutzer quasi durch den Raum, während die Umgebung natürlich an ihm vorbeizieht. So entsteht beim Anwender das Gefühl, dass er tatsächlich mittendrin ist. Aber am besten erleben Sie es hier einfach selbst.

 

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Bildmechaniker GmbH
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