13. Okt 2020

Wie Kunden heute bezahlen möchten

Das Bargeld stirbt nicht aus, doch Bezahlen mit dem Smartphone wird beliebter. Händler müssen sich darauf einstellen, dass die rasante Entwicklung von Mobile Payment anhält.

Das Handy gezückt und ans Gerät gehalten – und schon ist der Einkauf bezahlt. Was bis vor wenigen Jahren als Science-Fiction-Unfug abgetan worden wäre, ist längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Das Smartphone ist drauf und dran, Bargeld und Karten den Rang abzulaufen.

Vor allem jüngere Zielgruppe vertrauen zunehmend auf ihr Mobiltelefon und nutzen es immer öfter als Geldbörse. Aber nicht nur sie sind es, die die Vorteile wie Schnelligkeit zu schätzen wissen.

Schätzungen zufolge hat bereits jeder dritte Deutsche schon einmal mit Smartphone oder Smartwatch bezahlt; vor allem für Einkäufe im Supermarkt ist diese Methode beliebt. Aber auch Möbel und Mode werden immer öfter auf diese Weise gekauft. 

Nicht nur Junge bezahlen mobil 

Das bedeutet: Händler der unterschiedlichen Branchen können nicht länger darüber hinwegsehen, dass sich das Zahlungsverhalten derzeit gravierend ändert. So bezahlen heute nur etwas mehr als die Hälfte der Deutschen am liebsten mit Bargeld – vor vier Jahren waren es noch knapp zwei Drittel.

Das zeigt eine Umfrage der Initiative Deutsche Zahlungssysteme. Zurück zum Smartphone: Während bei den Käufern über 30 die Kreditkarte das Bargeld ablöst, könnten jüngere Zielgruppen diese Entwicklung gleich überspringen – bei ihnen ist das Smartphone eindeutig auf dem Vormarsch. 

Weg mit dem Bargeld! Immer mehr Konsumenten steigen auf Mobile Payment um. © Unsplash / Imelda

Corona verstärkt den Trend 

Ob Karte oder Mobilgerät: Kontaktloses Bezahlen wird zwar nicht erst seit der Coronakrise beliebter, hat aber wegen der Vorsichtsmaßnahmen nochmals zugelegt. Die Karte oder das Smartphone einfach vor das Gerät zu halten, hat sich gerade bei kleinen Einkäufen als praktische, schnelle und sichere Methode bewährt.

Etwaige Sicherheitsbedenken – etwa gegenüber dem NFC-Standard, mit dem die Daten übertragen werden können – sind inzwischen größtenteils ausgeräumt und kaum jemand fürchtet noch, dass ihm Geld vom Konto abgezweigt wird, ohne dass es bemerkt wird.  

Für das Mobile Payment gilt allerdings: Nichts ist fix. Die technischen Voraussetzungen sind zwar prinzipiell gegeben, doch der Wettkampf zwischen Anbietern und Systemen macht die Sache für Händler bisweilen unübersichtlich. Kein Wunder, dass die EU-Kommission vor kurzem eine Bezahllösung für die gesamte EU gefordert hat; derzeit sei der Markt zu zerstückelt.  

Tatsächlich gibt es noch keine Lösung, die wirklich in allen EU-Ländern und in allen Shops sowie auf allen Internet-Portalen benutzt werden kann. Ein Kernthema beim jüngsten Vorstoß der Kommission sind in diesem Zusammenhang die Instant Payments, also Echtzeitüberweisungen.

Dabei könnte das Geld innerhalb weniger Sekunden am Konto des Empfängers – im Handel ist das eben der Verkäufer – landen. Dafür müssen aber erst die technischen Voraussetzungen und auch die rechtlichen Vorgaben (etwa zum Vorgehen bei falschen Überweisungen) geschaffen werden. Trotz Mobile Payment will die EU übrigens das Bargeld keinesfalls abschaffen. 

Dass die Etablierung eines neuen Bezahlsystems nicht immer ganz einfach ist, zeigt das Beispiel Apple Pay: Der Bezahldienst des US-Konzerns, der in Deutschland erst Ende 2018 gestartet wurde, ist noch längst nicht für alle Besitzer von Girokonten verfügbar. Mit Samsung drängt nun ein Konkurrent mit seinem eigenen Dienst in den Markt.

Das ist für Besitzer von Samsung-Smartphones interessant, doch die Vielzahl an unterschiedlichen Möglichkeiten verwirrt Kunden und erschwert eine einheitliche Lösung – auch für Händler. Die EU-Kommission will daher Bezahlmöglichkeiten bevorzugen, die offen sind und nicht an bestimmte Geräte gebunden sind.

Dem Möbelhandel kann das nur recht sein, denn derzeit müssen sich Händler alle Optionen offen halten – sonst werden Kunden verärgert, die eine bestimmte Payment-Variante bevorzugen.

Das Bezahlen mit Smartphone hat sich als sichere Variante bewährt. © Unsplash / Jonas Leupe

Rechnung ist weiterhin beliebt 

Das Bezahlen per Rechnung bleibt indes bei Einkäufen im Internet die beliebteste Methode der deutschen Käufer: Knapp ein Drittel aller Online-Käufe werden mit damit beglichen, heißt es einer Studie des Kölner EHI Retail Instituts über das aktuelle Verhalten im E-Commerce.

An zweiter Stelle liegt PayPal, dessen Bedeutung weiter steigt. Die Coronakrise hat den Trend zu möglichst einfachen, verständlichen und sicheren Bezahlmethoden für die Einkaufstour im Internet verstärkt – und genau da kann PayPal punkten.

Indes haben bestimmte Varianten, die gerade im Multichannel-Vertrieb von Bedeutung waren, verloren. Das betrifft vor allem den Kauf per Nachnahme.

Autor: Robert Prazak

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